Hucbald (* 840 – † 930)

Hucbaldus de Sancto Amando, Hucbaldus Elnonensis. Hucbald (auch Hugbald, Hucbold, Hubald, Ubald geschrieben) einer der hervorragendsten Schriftsteller und Erfinder des Mittelalters auf musikalischem Gebiete, wurde, da er bei seinem Tode neunzig Jahre alt war, etwa um das Jahr 840 in Flandern geboren. Als Knabe schon kam er in das Kloster Saint-Amand (Monasterium Elnonense) bei Valenciennes in der Diözese Tournai, wo sein Oheim Milo die freien Künste lehrte. Unter seiner Leitung macht der Neffe solche Fortschritte, namentlich in der Musik, daß der Schüler die Eifersucht des Lehrers weckte, so daß dieser seine Entfernung aus dem Kloster bewirkt haben soll. Jedenfalls ging Hucbald nach Nevers und eröffnete daselbst eine Schule. Ein bleibendes Denkmal seines dortigen Aufenthaltes sind sein Leben der hl. Cilinia sowie sein Offizium auf den hl. Cyricus. Aber schon 860 siedelte er nach Auxerre über, wo Remigius von Auxerre ihn zum Genossen seiner Studien und Forschungen machte. Nachdem inzwischen eine Aussöhnung mit dem Onkel Platz gegriffen, kehrte er nach Saint-Amand zurück, Reliquien des hl. Cyricus dahin mitbringend. Als 871 Milo starb, trat Hucbald an die Spitze der Klosterschule. Sechzig Jahre war er, vorübergehenden Aufenthalt in Saint-Bertin und Rheims abgerechnet, an derselben noch als Lehrer tätig, bis er am 25. Juni (nach anderen am 21. Oktober) 930 das Zeitliche segnete.

Bahnbrechend war Hucbald in der Musik, indem er die Notenschrift verbesserte, vor allem aber, indem er in seinem „Organum“ die ersten Fundamente für die Mehrstimmigkeit der Vokalmusik legte. Außerdem ist Hucbald von Bedeutung für die Hagiographie als Verfasser von Lebensbeschreibungen der Heiligen Lebuinus, Rictrudis, Adelgundis, Madelbertea, Cilinia, Cyricus und Iulitta. Unter seinen Dichtungen ist seine „Ecloga in laudem calvorum“, Kaiser Karl dem Kahlen zugeeignet, am bekanntesten, in der er in 136 Versen das Lob der Kahlköpfigkeit singt, nur Worte, die mit c beginnen, verwendend. Von liturgischen Dichtungen kennen wir Hymnen auf den hl. Theodorich, die er für das Kloster Saint-Thierry zu Reims verfaßte, Hymnen und Sequenz auf den hl. Cyricus, dessen Offizium aber in Prosa abgefaßt ist, endlich aller Wahrscheinlichkeit nach Reimoffizien auf die hl. Dreifaltigkeit sowie auf die hl. Rictrudis von Marchiennes. Vgl. Coussemaker, Mémoire sur Hucbald et sur ses traités de musique, Paris 1841; Nisard, Hucbald, moine de Saint-Amand, Paris 1867; Hist. Liter. de la France VI, 210ff.; Desilve, De Schola Elnonensi sancti Amandi, Lovanii 1890, p. 93 sqq.

(Guido Maria Dreves, Clemens Blume, Ein Jahrtausend Lateinischer Hymnendichtung. Erster Teil, S. 114f.)

"... Hucbald ist unter Milos Leitung im Kloster St. Amand herangewachsen. Er steht in dem Rufe, neben Remigius der bedeutendste Gelehrte und Lehrer des westfränkischen Reichs gegen Ende des neunten und in den ersten Jahrzehnten des zehnten Jahrhunderts gewesen zu sein. Da er nach der Überlieferung ein Alter von neunzig Jahren erreichte und im Jahre 930 oder 931 starb, so muß er um 840 geboren, also ein Altersgenosse Notkers, des Sequenzendichters, und des Remigius von Auxerre gewesen sein."

Franz Brunhölzl, Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Band. Die Zwischenzeit vom Ausgang des karolingischen Zeitalters bis zur Mitte des elften Jahrhunderts. München 1992, S. 105

Literatur

Hucbald (Hubaldus, Huboldus). - Lexikon für Theologie und Kirche. Begr. von Michael Buchberger. Hrsg. von Walter Kasper u.a., Freiburg i.Br., Basel, Rom, Wien. Bd. 5. Hermeneutik bis Kirchengemeinschaft. - 3., völlig neu bearb. Aufl. 1996, Sp. 298

Hucbaldus de Sancto Amando - Franz Brunhölzl, Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Band. Die Zwischenzeit vom Ausgang des karolingischen Zeitalters bis zur Mitte des elften Jahrhunderts. München 1992, S. 105 - 108

Hucbald von St. Amand - Max Manitius, Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Band. Von Justinian bis zur Mitte des zehnten Jahrhunderts. München 1965 (unveränderter Nachdruck der 1911 erschienenen ersten Auflage), S. 588 - 594