O quam glorifica luce

Hucbaldus de Sancto Amando (um 840 – 930)

Lateinisch:

O quam glorifica luce coruscas,
Stirpis Davidicæ regia proles,
Sublimis residens virgo Maria,
Supra cæligenas ætheris omnes!

Tu cum virgineo, mater, honore
Angelorum domino pectoris aulam
Sacris visceribus casta parasti;
Natus hinc Deus est corpore Christus.

Quem cunctus venerans orbis adorat,
Cui nunc rite genu flectitur omne,
A quo nos petimus te veniente
Abiectis tenebris gaudia lucis.

Hoc largire, pater luminis omnis,
Natum per proprium flamine sancto,
Qui tecum nitida vivit in æthra
Regnans et moderans sæcula cuncta.

Deutsch:

O welch herrliches licht strahlst du hernieder,
Kind, dem königsgeschlecht Davids entsprossen,
Die erhaben du thronst, Jungfrau Maria,
Über dunkel und dunst hoch in den himmeln.

Du hast, Mutter, dem Herrn englischer heerschar
Mit jungfräulicher scham, keusche, die stätte
Deiner heiligen brust freundlich bereitet:
Und im fleische ward Gott, Christus geboren,

Dem anbetung und preis bringen die welten,
Dem die kniee sich hier demütig beugen,
Von dem unser gebet, hilfst du uns bitten,
Fleht um schwinden der nacht, freuden des lichtes.

Vater strahlenden lichts, dieses vergönne
Mit dem eigenen Sohn, Heiligem Geiste,
Der im glanze mit dir lebt in den himmeln
Und beherrschend erhält alle welten.

Deutsch von Friedrich Wolters (1876 – 1930)

fontes

Guido Maria Dreves, Clemens Blume, Ein Jahrtausend Lateinischer Hymnendichtung. Zweiter Teil, S. 256.
Friedrich Wolters, Hymnen und Sequenzen, S. 75

scholia / marginalia

In Assumptione Beatae Mariae
Mariä Himmelfahrt

Die Verfasserschaft von Hucbald ist umstritten.

"Eines der schönsten Marienlieder im Hymnenschatze der lateinischen Kirche, voller Schwung und Rhethorik. Es reicht mit einer Quelle ins 9., mit einigen ins 10. Jahrhundert zurück. Blume, Anal. hymn. LI, 147 und 193 neigt zu der Ansicht, der Lambertus-Hymnus Fulgens salvifico nomine martyr rühre von demselben Dichter her wie unser Marienlied, und dieser sei kein anderer als Hucbald. Die Möglichkeit ist gewiß vorhanden; zu einem bestimmten Urteile vermag ich meinerseits nicht zu gelangen und belasse demgemäß das Lied, wo ich es finde, unter den Adespota. Auffallend ist 2,2 das vom Sinn geforderte und durch die Überlieferung geschützte, gegen das Metrum aber verstoßende Angelorum. Einige wenige Quellen schreiben Anglorum; so wird man wohl zu synizesieren haben."
(Guido Maria Dreves, Clemens Blume, Ein Jahrtausend Lateinischer Hymnendichtung. Zweiter Teil, S. 256)

Wie Clemens Blume hält jedoch auch Henry Spitzmuller die Zuschreibung an Hucbald für wahrscheinlich.
"L'attribution de cette hymne à Hucbald de Saint-Amand est assez probable, mais n'est cependant pas incontestée."
(Henry Spitzmuller, Poésie latine chrétienne du Moyen Age IIIe - XVe siècle. Textes recueillis, traduits et commentés par Henry Spitzmuller. Bruges: Desclée de Brouwer, 1971, S. 362, Anm. 49)

metrum

 

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