Arnulph von Löwen

Abt von Villers (* ? – † 1150)

Arnulph von Löwen wurde zu Anfang des dreizehnten oder zu Ende des zwölften Jahrhunderts zu Löwen geboren und trat – die Zeit ist uns nicht überliefert – in die Zisterzienserabtei Villers in Brabant ein. Nach dem Tode des Abtes Nikolaus von Sombreffe 1240 wurde Arnulph, der damals Subprior war, zum Abte gewählt, eine Würde, die er zehn Jahre innehatte. Im Jahre 1250 entsagte er derselben, um sich völlig den Studien und der Askese hingeben zu können, starb aber noch im Jahre der Abdikation. Arnulph von Löwen ist nicht zu verwechseln mit einem andern Mönche gleichen Namens derselben Abtei, mit dem sel. Arnulph (deCornibout), dessen Leben Goswin de Bossut, Kantor von Villers, beschrieben hat. (Vgl. über Arnulph von Löwen, Histoire Litéraire des Pays Bas (1769) XVI, 52 – 58; Biographie Nationale de Belgique (1866), I, 469.

Arnulph von Löwen verfaßte den ersten Teil der Annales Villarienses, der von 1146 – 1240 reicht, und den zuerst Martène und Durand in ihrer Amplissima Collectio veröffentlichten Ferner wird ihm eine metrische Bearbeitung der Summa Raimundi zugeschrieben, welche den Titel Excerptum Speculi Caritatis führt. Für die hymnologische Forschung ist Arnulph von Interesse als Verfasser einer Serie von Liedern auf die fünf Wunden des Herrn ( de quolibet mebro Christi patientis), die ihrer tiefen Frömmigkeit und ansprechenden Mystik wegen jahrhundertlang mit dem Namen Bernhards von Clairvaux in Verbindung gebracht und bei uns in Deutschland kaum weniger dadurch berühmt wurden, daß sie Paulus Gerhardt zur Unterlage für einige seiner unsterblichsten Lieder wählte. Doch sind, als die Lieder des Abtes von Villers anfingen, beliebt zu werden, was sehr schnell der Fall gewesen zu sein scheint, zu den fünf ursprünglichen weitere Lieder im gleichen Versmaße hinzugedichtet worden; so u.a. eines auf das Herz Jesu Summi regis cor, aveto, welches aller Wahrscheinlichkeit nach von dem sel. Hermann Joseph von Steinfeld herrührt (vgl. Blume in den Stimmen aus Maria Laach, 1909, I, 121ff.) und ebenfalls von Paulus Gerhardt übertragen wurde (O Herz des Königs aller Welt). In dem fünften Liede „Ad Faciem Christi“ wurde später an Stelle der ersten Halbstrophe die folgende gesetzt:

Salve, caput cruentatum,
Totum spinis coronatum,
Conquassatum, vulneratum,
Arundine verberatum
Facie sputis illita;

sie ward die Vorlage unseres „O Haupt voll Blut und Wunden“.

Das Eigentumsrecht Arnulphs an diese Lieder bezeugt eine Handschrift vom Jahre 1320 (Cod. Bruxellen. 4459 – 70 fol. 150) mit den Worten: „Oratio, quam fecit domnus Arnulphus de Lovanio, quintus decimus abbas Villariensis“. Vg. Hagiographi Bollandiani, Catal. Codd. hagiographic. bibl. Reg. Bruxellen. I, 396; J. van den Gheyn, Catal des manuscrits de la Bibl. Royale V, 116. Cl. Blume Litt. Beilage der K.V. 1909, S. 129ff.

(Guido Maria Dreves, Clemens Blume, Ein Jahrtausend Lateinischer Hymnendichtung. Erster Teil, S. 323f.)

Dichtungen