Caelius Sedulius

Erste Hälfte des 5. Jahrhunderts

Die Nachrichten über das Leben dieses christlichen Dichters sind so spärlich, unzuverlässig, ja sich widersprechend, daß man rücksichtlich derselben zu einem gesicherten Resultate nicht zu gelangen vermag. Nach Huemer, der die eingehendsten Untersuchungen über den Gegenstand angestellt hat (De Sedulii poetae vita et scriptis commentatio, Vindob. 1878), wäre Sedulius, dessen zweiter Name Caelius fraglich bleibt (S. 9 u. f.), nicht in Schottland (S. 11ff.), noch auch, wie meist angenommen wurde, in Spanien (S. 15 u. f.), sondern in Italien und zwar in Rom beheimatet gewesen (S. 16 u. f.), hätte unter dem jüngeren Theodosius und Valentinian gelebt (S. 23ff.), seine Werke in Achaia geschrieben (S. 27 u. f.) und sei aus dem Laienstande, dem er ursprünglich angehört habe, in den geistlichen übergetreten, ohne daß sich der Rang bestimmen ließe, den er eingenommen habe (S. 28 u. f.). Ungewiß bleibt, ob er später, wie Trithemius will, nach Rom zurückgekehrt, ungewiß, wo und wann er gestorben sei (S. 30).

Wir besitzen von Sedulius zwei Werke, richtiger ein Werk in doppelter, poetischer und prosaischer Bearbeitung, das Carmen paschale und das Opus paschale, eine Art Evangelienharmonie in vier Büchern, denen ein Buch ausgewählter Begebenheiten und Wundertaten des alten Bundes vorhergeht (vgl. Leimbach, Caelius Sedulius und sein Opus paschale, Goslar 1879). Der Dichter widmete das Carmen einem sonst unbekannten Presbyter Macedonius, der ihn (aus welchen Gründen, entzieht sich unserer Kenntnis) veranlaßte, dasselbe einer prosaischen Neubearbeitung zu unterziehen. Die Werke des Sedulius hat nach dessen Tode Turcius Rufius Asterius V.C., der Konsul war, herausgegeben. Ob diese Ausgabe die erste war, ob Asterius eine oder zwei Auflagen veranstaltete, ist nicht mit voller Sicherheit zu entscheiden (vgl. Heumer 1. c. 31 sq.). Dem Carmen paschale folgen in den Quellen in der Regel zwei Hymnen, welche Anal. Hymn. L 53ff nach der Ausgabe Huemers (Sedulii Opera omnia Vindob. 1885) mitgeteilt sind, und von denen ich den zweiten, der allein liturgische Verwendung gefunden hat, hier wiederhole. Über diese Verwendung in der mozarabischen Liturgie vgl. Anal. Hymn. XXVII, 41 u. f.; bezüglich des Gebrauches in der römischen Anal. hymn. L, 60; über die Authentizität der beiden Hymnen Huemer, Commentatio S. 41ff. Außer diesem abcdarischen Hymnus entnehme ich dem Carmen paschale einige Verse, die sich – ein seltenes Vorkommen – im römischen Meßbuche einen Platzerworben und bis heute behauptet haben und zwar im Eingange der Votivmesse der allerseligsten Jungfrau. Sie bilden ein kurzes aber prägnantes Gebet zu Maria, das um so mehr unsere Aufmerksamkeit verdient, als es jedenfalls zu den ersten Beispielen einer direkten Anrufung Mariens zählt.

(Guido Maria Dreves, Clemens Blume, Ein Jahrtausend Lateinischer Hymnendichtung. Erster Teil, S. 29f.)

 

Literatur

Sedulius. - Lexikon für Theologie und Kirche. Begr. von Michael Buchberger. Hrsg. von Walter Kasper u.a., Freiburg i.Br., Basel, Rom, Wien. Bd. 9. San bis Thomas. - 3., völlig neu bearb. Aufl. 2000, Sp. 367