Johannes Peckham

Erzbischof von Canterbury (* um 1225 – † 8.12.1292)

John Peckham (Johannes Pechamus) ward zu Peckham in Sussex in der Nähe von Lewes-Priory geboren. Ob er mit der adeligen Familie der Peckham of Arches, die noch im achtzehnten Jahrhundert blühte, in Verbindung zu bringen ist, bleibt ungewiß. Er studierte zuerst in Lewes-Priory, dann zu Oxford und trat ebenda in den Orden des hl. Franziskus, begab sich dann nach Paris (bald nach 1250), hörte Bonaventura und erhielt nach Erlangung des Doktorgrades einen Lehrstuhl für Theologie. Wie Bonaventura verteidigte auch er den Orden gegen die Angriffe, deren Seele Wilhelm von Saint-Amour war (1252 – 62). Im Jahre 1270 als Lektor für seine Ordensgenossen nach Oxford zurückgekehrt, ward er 1275 zum Provinzial der englischen Franziskaner erwählt und wohnte im ersten Jahre seines Provinzialates dem Generalkapitel des Ordens in Padua bei. Wenige Jahre später ward er vom Papste als „Lector sacri Palatii“ nach Rom berufen. Als solcher sah er Bischöfe, Kardinäle und andere Würdenträger unter seinen Zuhörern, die sich ehrfurchtsvoll erhoben, wenn er den Hörsaal betrat, ein Zeichen der Deferenz, das sie alsbald unterließen, als er zum Erzbischofe ernannt war, da sie es auf die Person, nicht auf die Würde bezogen wissen wollten.

BuchmalereiNach dem Tode Robert Kilwardbys (1278) war nämlich Robert Burnell zum Erzbischofe von Canterbury gewählt worden. Nicolaus III. verwarf die Wahl und ernannte Peckham, sehr gegen dessen Wunsch und Neigung (25. Jan. 1279). Am ersten Fastensonntage, den 19. Febr., wurde dieser konsekriert und reiste über Paris, Amiens (21. Mai) und Abbeville nach England, wo er den 4. Juni landete. Seine Inthronisation fand erst am 8. Oktober in Gegenwart König Eduards I. statt; doch hatter er schon am 29. Juli zu Reading eine Synode gehalten. Eine zweite tagte 1281 zu Lambeth. In dem um diese Zeit sich entspinnenden Kampfe mit Wales spielte Peckham insofern eine hervorragende Rolle, als sein Bestreben, Wales den englischen Gebräuchen zu konformieren, nicht wenig zum Ausbruch der Feindseligkeiten beitrug, Absichten, die er dann nach dem Tode Llywelyns von Wales auszuführen in die Lage kam. Persönlich liebenswürdig und bescheiden ward Peckham als Erzbischof gleichwohl in eine fast ununterbrochene Reihe von Händeln mit seinen Suffraganen, mit Äbten und Klöstern, ja mit dem Könige verwickelt, Händel, die mit wechselndem Geschick und Erfolg zum Austrage gebracht wurden und sich um so häufiger wiederholten, als der Erzbischof sich nicht um die Wahrung der Rechte seines Stuhles (wirklicher oder vermeintlicher), sondern ebenso um die der Mendikanten, in erster Linie des eigenen Ordens, bemühte. Eine besonders lebhafte theologische Fehde entspann sich 1284 zu Oxford zwischen ihm und den Dominikanern bezüglich der Lehre über die „Form“ des Leibes Christi im Grabe und in der hl. Eucharistie. Peckham starb nach langwieriger Krankheit zu Mortlake den 8. Dezember 1292 und ward den 19. desselben Monats im nördlichen Querschiff des Domes zu Canterbury begraben. Eine ausführliche Lebensbeschreibung Peckhams gab Ch. T. Martin, Registrum epistolarum Fratris Johannis Peckham, archiepiscopi Cantuariensis (Vol. I-III, London 1882-83.) I, p. LVII-LXXV; II, p. XXXVII-CVIII; III, p. XXVII-LVI. Ein Auszug daraus Dictionary of National Biography XLIV, 190-197.

Peckhams ausgebreitete philosophische und theologische Schriftstellerei kann uns hier ebensowenig beschäftigen als seine umfassende administrative Tätigkeit. Eine Liste seiner Werke, die zum größten Teile ungedruckt sind, gibt Martin a.a.O. III, p. LVI-CXLIV, zugleich mit dem Nachweise handschriftlicher Quellen, soweit ihm solche auffindbar waren. Was seine religösen Dichtungen betrifft, die ihm einen der ehrenvollsten Plätze unter den mittelalterlichen Hymnoden sichert, so findet man dieselben zusammengestellt Anal. Hymn. L, 592 – 616; über einige andere Gedichte, die seinen Namen, sei es zu Recht, sei es zu Unrecht, tragen, siehe ebenda S. 593.

(Guido Maria Dreves, Clemens Blume, Ein Jahrtausend Lateinischer Hymnendichtung. Erster Teil, S. 368f.)

 

Literatur

Johannes Peckham. - Lexikon für Theologie und Kirche. Begr. von Michael Buchberger. Hrsg. von Walter Kasper u.a., Freiburg i.Br., Basel, Rom, Wien. Bd. 5. Hermeneutik bis Kirchengemeinschaft. - 3., völlig neu bearb. Aufl. 1996, Sp. 956f.