Gottschalk von Limburg

Propst von Aachen (*um 1010 – † 1098)

Godescalcus Lintpurgensis. Über die Lebensumstände dieses fruchtbaren deutschen Sequenzendichters sind wir nur sehr ungenügend unterrichtet. Wir erfahren aus seinen eigenen Werken, die uns in der Wiener Handschrift 917 (saec. 12) aufbewahrt sind, daß er Mönch von Limburg an der Hardt war, daß er zum Lehrer einen Mönch, Heinrich mit Namen, hatte, der gleichfalls Komponist war und ein Responsorium mit dem Anfang Omnis lapis pretiosus verfaßt hatte. Wir erfahren, daß Gottschalk in seinem Kloster das Predigtamt ausübte, und daß seine Predigten seinen Mitmönchen Anlaß zur Kritik gaben; daß er eine Historia, d.h. ein Festoffizium auf die Patrone seines Stiftes, die Heiligen Irenäus und Abundius, verfaßt und vertont hatte; endlich, daß er Dichter von Sequenzen war, von denen er vier mit den Anfangsworten nennt, von einer den vollen Text mitteilt.

Wir erfahren dann aus anderer Quelle, einem Werke des bekannten Humanisten Jakob Wimpheling, „De Hymnorum et Sequentiarum auctoribus ... brevissima eruditiuncula“ vom Jahre 1499, daß Wimpheling, Wacker und Reuchlin in dem pfälzischen Kloster Klingenmünster eine handschriftliche, Kaiser Heinrich IV. gewidmete Sequenzensammlung sahen, welche dessen Hofkaplan Gottschalk, zugleich Porbst des Liebfrauenmünsters in Aachen, zum Verfasser hatte. Aus den Sequenzen, welche dieselbe enthielt, teilt der Humanist fünf den Anfängen nach mit. Da zwei dieser Sequenzen auch unter jenen fünf der Wiener Handschrift 917 sich befinden, so folgt, daß der Mönch Gottschalk von Limburg an der Hardt und der Probst Gottschalk von Aachen ein und dieselbe Persönlichkeit sind. Dies wird bestätigt durch eine Nachricht des Necrologium Aquense, der zufolge der Probst Gottschalk in Aachen das Fest der „Divisio Apostolorum“ einführte, für welches, wie uns die Wiener Handschrift belehrt, der Mönch Gottschalk eine Sequenz verfaßt hat. Gottschalk starb als Probst von Aachen den 24. November 1098.

Eine dritte kurze Nachricht über ihn bietet, das Obige bestätigend und ergänzend, der Anonymus Mellicensis (ed. Ettlinger p. 95: „Gotscalchus, monachus de Clinge (nicht Declinge), scripsit inter alia libellum quatuor sermonum, quorum primus est de conceptione s. Iohannis Baptistae, secundus de sancta Maria, tertius de dispersione apostolorum, quartus de initio evangelii secundum Natthaum.“ Wir erfahren also von einem zweiten opusculum quattuaor sermonum, ähnlich offenbar der Wiener Handschrift. Daß diese Nachricht des Anonymus vertrauenswürdig ist, beweist der Inhalt des dritten Sermo. Wir erfahren ferner, daß Gottschalk auch Mönch des Klosters Klingenmünster war, in welchem Wimpheling sein Opus Sequentiarum fand. Ob wir den Aufenthalt Gottschalks in diesem andern pfälzischen Kloster vor oder nach seiner Limburger Zeit anzusetzen haben, bleibt ungewiß.

Außer den genannten lassen sich aus innern Gründen noch weitere Sequenzen als das Werk Gottschalks nachweisen. Vgl. darüber Dreves, Godescalus Lintpurgensis (Hymnologische Beträge I), Leipzig 1897. Die Texte auch Anal. hymn. L, 340 – 369.

(Guido Maria Dreves, Clemens Blume, Ein Jahrtausend Lateinischer Hymnendichtung. Erster Teil, S. 184f.)