Konrad von Haimburg (†1360)

Prior von Gaming

Conradus Haimburgensis, auch Conradus Gemnicensis, Konrad von Gaming. Unter den Karthäuserdichtern ist die Figur des Gaminger Priors Konrad von Haimburg eine der hervorragendsten, denn er war nicht nur einer der formvollendetsten, sonder auch – in Deutschland wenigstens – einer der beliebtesten und gelesensten Dichter des späteren Mittelalters, der die nach ihm kommenden Dichter nicht unwesentlich beeinflußt hat, während er selbst unverkennbar unter dem Einflusse des österreichischen Zisterzienserdichters Christian von Lilienfeld schreibt.

Von dem Leben Konrads ist uns leider nur wenig bekannt, nicht einmal das Jahr seiner Geburt läßt sich bestimmen, während seine Heimat, das niederösterreichische Städtchen Haimburg oder Hainburg a.d. Donau, unfern von Preßburg, nur aus seinem Eponymon nachweisbar ist. Was wir des weiteren über ihn erfahren, ist, daß er zeitweise Vikar der Karthause Mauerbach in Niederösterreich und von 1342 an während dreier Jahre Prior zu Seitz im nördlichen Steiermark war. Als Prior Nikolaus von Gaming im Jahr 1350 nach Prag berufen wurde, kam Konrad zum ersten Male als Prior nach Gaming, ein Amt, das er bis 1354 verwaltete, und in welchem ihm Johannes I. von Mähren nachfolgte. Nach dessen Abgang 1358 ward Konrad zum zweiten Male zum Prior von Gaming erwählt, eine Würde, die er bis zu seinem Todestage innehatte. Wir erfahren aber auch anderweitig von einem Aufenthalte des Dichters in der Karthaus Schmichow bei Prag, während dessen er mit dem ersten Prager Erzbischofe, Arnest von Pardubitz, den wir zwischen den Jahren 1345 und 1350 anzusetzen haben, bekannt und befreundet wurde. Konrad starb zu Gaming den 17. August 1360.

Während seines Prager Aufenthaltes verfaßte Konrad im Auftrage des vorerwähnten Erzbischofes seine „Laus Mariae“, d.h. eine reichaltige Sammlung von Lesungen für das Votivoffizium der Jungfrau, welches die Mansionare am Veitsdom auf dem Hradschin täglich zu singen hatten. Außerdem besitzen wir von ihm einen unvollendeten Tractus super Alleluia. Die Dichtungen Konrads zerfallen in zwei, schon durch die äußere Form deutlich geschiedene Zyklen von Marienliedern und Liedern auf die Heiligen. Aus beiden hat zuerst Mone in seinen „Lateinischen Hymnen des M.A.“ zahlreiche Proben mitgeteilt. Die erste kritische Ausgabe der sämtlichen Dichtungen des Karthäusers, die sich neben ihrer Formvollendung jedenfalls durch einen Zug echter und kindlicher Frömmigkeit bei dem mittelalterlichen Leser einschmeichelten, findet man Anal. hymn. III, S. 1 – 14; 21 – 102. Die einschlägige Literatur vgl. ebenda S. 6, Note 1.

(Guido Maria Dreves, Clemens Blume, Ein Jahrtausend Lateinischer Hymnendichtung. Erster Teil, S. 421f.)

Literatur

Konrad v. Hainburg. - Lexikon für Theologie und Kirche. Begr. von Michael Buchberger. Hrsg. von Walter Kasper u.a., Freiburg i.Br., Basel, Rom, Wien. Bd. 6. Kirchengeschichte bis Maximianus. - 3., völlig neu bearb. Aufl. 1997, Sp. 276