Johann von Jenstein

Iohannes a Jenstein. Johann von Jenstein ward 1350 auf der Burg Jenstein bei Podolanky in Böhmen geboren, von der sein Vater Paul aus dem Hause Vlašim den Namen angenommen. Sein Oheim Očko von Vlašim war der zweite Erzbischof von Prag. Jenstein besuchte nacheinander die Universitäten von Prag, Padua, Bologna, Montpellier (1374) und Paris (1375 – 76) und ward, noch nicht 26 Jahre alt, von Gregor XI. zum Bischofe von Meißen ernannt. Als am 6. März 1379 Očko zum Kardinal ernannt wurde, folgte ihm der Neffe auf dem Stuhle von Prag, und als er den 14. Januar 1380 das Zeitliche segnete, auch in der Kanzlerwürde des Königreiches Böhmen. Zweimal, 1384 und 1389, geriet Jenstein in ernste Konflikte mit dem Könige Wenzel. Der zweite, welcher sich um die Besetzung der Abtei Kladrau drehte, kostete Jensteins Generalvikar, Johann von Nepomuk, das Leben, ein Schicksal, dem sich der Erzbischof nur durch schleunige Flucht in sein festes Schloß von Raudnitz entzog. Von dort begab er sich Hilfe suchend nach Rom, wo er am 2. April 1396 zugunsten seines Neffen Wolfram von Škworez auf sein Bistum verzichtete und, vom Papste mit dem Titel eines Partriarchen von Alexandrien geehrt, am 17. Juni 1400 im Kloster der hl. Praxedis verschied.

In Rom ließ Jenstein eine Gesamtausgabe seiner Werke schreiben, die er selbst überwachte und korrigierte. Es ist dies der heutige Codex Vaticanus 1122, aus dem die Lieder Jensteins zum ersten Male herausgegeben wurden. G.M. Dreves, Die Hymnen Johanns von Jenstein, Prag 1886; verbessert und vermehrt: Anal. hymn. XLVIII, 421 – 451.

Johann von Jenstein hat zuerst in seiner Erzdözese das Fest Mariä Heimsuchung eingeführt und Offizium, Hymnen und Sequenzen für dasselbe verfaßt. Urban VI., dessen Anhänger Jenstein war, wurde durch den Tod verhindert, das Fest auf die ganze Christenheit, soweit dieselbe zu seiner Obödienz zählte, auszudehnen. Dies geschah erst unter seinen Nachfolger Bonifaz IX., 1389. doch kam nicht das von Jenstein verfaßte Offizum, sondern ein von dem Kardinal Adam Easton verfertigtes (vgl. Anal. hymn. XXIV, 89ff.) in den römischen Gebrauch. Vergleiche für die näheren Lebensumstände Jensteins, seine sonstige literarische Tätigkeit, sowie für die Quellen meine schon erwähnte Monographie.

 

Guido Maria Dreves, Clemens Blume, Ein Jahrtausend Lateinischer Hymnendichtung. Erster Teil, S. 449

Literatur

Johann v. Jen(zen)stein. - Lexikon für Theologie und Kirche. Begr. von Michael Buchberger. Hrsg. von Walter Kasper u.a., Freiburg i.Br., Basel, Rom, Wien. Bd. 5. Hermeneutik bis Kirchengemeinschaft. - 3., völlig neu bearb. Aufl. 1996, Sp. 918