Bonaventura

Kardinalbischof von Albano (* 1217 – † 15. 7. 1274)

Geboren 1221 zu Bagnorea im Kirchenstaat, Sohn des Johannes Fidanza und der Maria Ritella, trat der junge Johannes Fidanza, nachdem er diesen Familiennamen mit demNamen Bonaventura vertauscht, wahrscheinlich schon 1238, siebzehn Jahre alt, in den Orden der Minderbrüder ein, studierte zunächst an der Ordensschule zu Orvieto, dann von 1242 oder 43 an unter der Leitung seines Ordensgenossen, des Alexander von Hales, zu Paris, woselbst er 1248, zum Baccalaureus promoviert, die eigene Lehrtätigkeit eröffnete. Der von 1254 bis 1260 währende, mit der Niederlage der Akademiker und der Verbannung ihres Vorkämpfers, des Magisters Wilhelm von Saint-Amour, endende Streit der Hochschulprofessoren gegen die Bettelmönche, an dem auch Bonaventura durch eine Schrift sich beteiligte, war schuld, daß er erst 1257, zugleich mit Thomas von Aquin, den Doktorgrad erhielt, nachdem er bereits von seinem Vorgänger Johannes von Parma hierfür empfohlen, zum Magister generalis seines Ordens erwählt worden war. Er wirkte in dieser Eigenschaft für die innere Pazifizierung und Festigung des Ordens bis zum Jahre 1273, in welchem Gregor X., der nicht zum wenigsten den Empfehlungen Bonaventuras die Tiara verdankte, ihn zum Kardinalbischofe von Albano ernannte. Schon früher, 1265, hatte ihm Clemens IV. das englische Erzbistum York angetragen, welches er indes ausschlug. Mit den Vorbereitungen für das Lyoner Konzil von 1274 betraut, das, dem Wunsche des Papstes entsprechend, eine Vereinigung der griechischen und abendländischen Kirche in die Wege leiten sollte, starb er noch vor Schluß der Kirchenversammlung in der Nacht vom 14. auf den 15. Juli desselben Jahres. Erst zwei Jahrhunderte später wurde er von dem Franziskanerpapste Sixtus IV. in die Zahl der Heiligen versetzt (1482), nachdem ihn längst die Ordensschule der Skotitsten als Doctor seraphicus dem Doctor angelicus, dem hl. Thomas von Aquin, gegenübergestellt hatte.

Bezüglich der religiösen Dichtungen Bonaventuras ist eine Tatsache höchst auffallend, daß nämlich in Handschriften des 13., ja des 14. Jahrhunderts, nur höchst selten und vereinzelt ihm ein Lied zugeschrieben wird, daß dagegen in Handschriften des 15. Jahrhunderts auf einmal, wie ex condicto, zahlreiche Poesien mit seinem Namen in Verbindung gebracht werden. Es geschieht dies regelmäßig in Handschriften des ausgehenden 15., wo nicht des angehenden 16. Jahrhunderts, die, wie die wörtlich übereinstimmenden Rubriken vermuten lassen, aus Wiegendrucken geschöpft haben, in denen wir genau dieselben Angaben finden. Diese literarische Bewegung zu seinen Gunsten steht wieder augenscheinlich mit der zu Ende des Jahrhunderts (1482) erfolgten Kanonisation des Heiligen in ursächlichem Zusammenhange.

Auch in der neuesten Ausgabe der Werke des Heiligen, in welcher im VIII. Bande ein Teil der hierher gehörigen Poesien zusammengestellt ist, findet sich noch einzelnes, was Bonaventura schlechtweg abzusprechen ist. Ich verweise bezüglich der Einzelheiten auf meine Ausführungen Anal. L, 559, woselbst auf Seite 559 – 582 die Hymnen Bonaventuras wiedergegeben sind.

(Guido Maria Dreves, Clemens Blume, Ein Jahrtausend Lateinischer Hymnendichtung. Erster Teil, S. 349f.)

Literatur

Bonaventura. - Lexikon für Theologie und Kirche. Begr. von Michael Buchberger. Hrsg. von Walter Kasper u.a., Freiburg i.Br., Basel, Rom, Wien. Bd. 2. Barclay bis Damodos. - 3., völlig neu bearb. Aufl. 1994, Sp. 570ff.