Alcuinus Flaccus

Abt von St. Martin zu Tours (* 730/35 – † 804)

Alkuin, auch Albinus genannt, war ein Sohn Northumbriens und das Kind edler Angeln, Willibrords Verwandter. Seine Geburt dürfte in die Mitte der dreißiger Jahre des achten Jahrhunderts fallen. Die Domschule von York war die geistige Amme des Knaben und Jünglings, von der später der Mann sang:

Illic invenies veterum vestigia patrum,
Quidquid habet pro se Latio Romanus in orbe,
Graecia vel quidquid transmisit clara Latinis.

Noch in jungen Jahren war es ihm vergönnt, mit Erzbischof Egbert (732 – 766) Rom zu besuchen und später in Begleitung oder im Auftrage seines Lehrers Aelbert Reisen im Frankenreiche zu machen, die ihn u.a. nach Murbach und Echternach führten und mit verschiedenen kirchlichen Würdenträgern bekannt werden ließen. Als nach Eberts Tode Aelbert den Stuhl von York bestieg (767), folgte Alkuin diesem in Leitung der Schule und nach dessen Abdankung (778) auch in der Bibliothek. Nach Aelberts Tode (780) reiste er abermals nach Rom, für dessen Nachfolger das Pallium zu holen. Auf dieser Reise traf er (781) in Parma mit Karl d.Gr. zusammen, folgte (782) mit mehreren seiner Schüler dem Rufe des Königs an seinen Hof, wo er als eines der bedeutendsten Glieder in den Gelehrtenkreis trat, mit dem sich Karl umgeben hatte und in dem er den Namen Flaccus erhielt.

Buchmalerei aus dem 11. Jh.Bis zum Jahre 789 scheint Alkuin ununterborechen im Frankenreiche geblieben zu sein. Ausgestattet mit den Abteien Ferrières und Saint-Loup zu Troyes, blieb er bei Hofe mit Leitung der Palastschule betraut. Im Auftage des Königs 789 oder 790 in die Heimat zurückgekehrt, betrat er 793 von neuem die fränkische Erde, in beständigem Verkehr mit dem Herrscher und von diesem mehr noch denn früher zu Amtsgeschäften herangezogen. Im Jahre 796 wurde er zum Abte von Saint-Martin in Tours ernannt, bestimmt und bestrebt, die dortige Schule zu heben und zu einer Zentrale geistigen Lebens und Strebens zu gestalten. Von 804 an zog er sich ganz auf Tours zurück und starb daselbst den 19. Mai desselben Jahres.

Unter den zahlreichen Poesien Alkuins finden sich nur wenige, welche der Hymnendichtung zuzuzählen sind. Dieselben sind Anal. hymn. L, 152 – 159 nach der Ausgabe Dümmlers (Poetae aevi Carolini I, 160 – 351 zusammengestellt. Über einige verlorene oder zu Unrecht Alkuin beigelegte Hymnen vgl. Anal. hym. l.c. 152 u.f. Zu den drei im folgenden mitgeteilten Liedern ist nur zu bemerken, daß das erste aus Alkuins an Emma gerichteter Abhandlung über die Seele genommen ist. Auf die drei Strophen, welche das kurze Lied bilden, folgen dort drei andere, in denen die Adressatin aufgeforder wird, diesen Hymnus fleißig zu singen: Haec pia verba, virgo fidelis, ore caneto usw.

(Guido Maria Dreves, Clemens Blume, Ein Jahrtausend Lateinischer Hymnendichtung. Erster Teil, S. 64f.)

 

"Die führende Gestalt freilich unter den Schriftstellern und Gelehrten am fränkischen Hof ist der Angelsachse Alkuin gewesen. Er war überhaupt die bedeutendste Persönlichkeit in der Geschichte des geistigen Lebens seit Beda, dessen Tradition er fortgesetzt und weiter ausgebaut hat."

"Alkuin gehört - wie etwa Isidor von Sevilla, dem er im übrigen durchaus unähnlich ist - zu den wahrhaft hervorragenden Erscheinungen der Geschichte, die, je mehr man sich ihnen nähert, desto mehr an Größe gewinnen."

Franz Brunhölzl, Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Band. München 1975, S.268 und S.  286

Literatur

Alkuin. - Lexikon für Theologie und Kirche. Begr. von Michael Buchberger. Hrsg. von Walter Kasper u.a., Freiburg i.Br., Basel, Rom, Wien. Bd. 1. A bis Barcelona. - 3., völlig neu bearb. Aufl. 1993, Sp. 397f.

Alkuin. - Franz Brunhölzl, Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Band. München 1975, S. 268 - 286