Zyma vetus expurgetur

Sequenzen

Adamus a Sancto-Victore (+ 1192)

Lateinisch:

Zyma vetus expurgetur
Ut sincere celebretur
Nova resurrectio.
Hæc est dies nostræ spei,
Huius mira vis diei
Legis testimonio.

Hæc Ægyptum spoliavit
Et Hebræos liberavit
De fornace ferrea,
His in arto constitutis
Opus erat servitutis
Lutum, later, palea.

Iam divinæ laus virtutis
Iam triumphi, iam salutis
Vox erumpat libera:
Hæc est dies, quam fecit Dominus,
Dies nostri doloris terminus,
Dies salutifera.

Lex est umbra futurorum,
Christus, finis promissorum,
Qui consumat omnia,
Christi sanguis igneam
Hebetavit rompheam
Amota custodia.

Puer nostri forma risus,
Pro quo vervex est occisus,
Vitæ signat gaudium;
Ioseph exit de cisterna,
Christus redit ad superna
Post mortis supplicium.

Hic dracones Pharaonis
Draco vorat, a draconis
Immunis malitia,
Quos ignitus vulnerat,
Hos serpentis liberat
Ænei præsentia.

Anguem forat in maxilla
Christus, hamus et armilla,
In cavernam reguli
Manum mittit ablactatus,
Et sic fugit exturbatus
Vetus hospes sæculi.

Irrisores Elisaei,
Dum conscendit domum Dei,
Zelum calvi sentiunt,
David arreptitius,
Hircus emissarius
Et passer effugiunt.

Im maxilla mille sternit
Et de tribu sua spernit
Samson matrimonium,
Samson Gazæ seras pandit
Et asportans portas scandit
Montis supercilium.

Sic de Iuda leo fortis
Fractis portis diræ mortis
Die surgens tertia
Rugiente voce patris
Ad supernæ sinum matris
Tot revexit spolia.

Certus Ionam fugitivum,
Veri Ionæ signativum,
Post tres dies reddit vivum
De ventris angustia;
Botrus Cypri reflorescit,
Dilatatur et excrescit,
Synagogæ flos marcescit
Et floret ecclesia.

Mors et vita conflixere,
Resurrexit Christus vere,
Et cum Christo surrexere
Multi testes gloriæ.
Mane novum, mane lætum,
Vespertinum tergat fletum,
Quia vita vicit letum,
Tempus est lætitiæ.

Iesu victor, Iesu vita,
Iesu, vitæ via trita,
Cuius morte mors sopita,
Ad paschalem nos invita
Mensam cum fiducia.
Vive panis, vivax unda,
Vera vitis et fecunda,
Tu nos pasce, tu nos munda,
Ut a morte nos secunda
Tua salvet gratia.

deutsch:

Fort mit altem Sauerteige!
Neu gereinigt alles steige
Mit dem Heiland aus dem Grab;
Dieser Tag trägt unser Hoffen,
Seine Wunderkraft liegt offen,
Da der Bund ihm Zeugnis gab.

Nillands Macht hat er zerstreuet,
Hebers Söhne er befreiet
Von des ehr'nen Ofen Glut,
Da sie in bedrängter Lage
Mühsam fronten alle Tage
Und vom Ziegeln nie geruht.

Drum so singt des Höchsten Ehre,
Drum Triumph, drum Jubelchöre
Schallet laut, laßt nimmer nach!
Diesen Tage hat selber der Herr gemacht,
Dieser Tag hat Leiden ein End gebracht,
Dieser Heil und Freudentag.

In dem Herrn ihr Ende hatten
Das Gesetz, der Zukunft Schatten,
Bilder aus der Seher Mund;
Christi Blut hat stumpf gemacht
Cherubs Schwert, der auf der Wacht,
Vor dem Tore Edens stund.

Auch ein Gleichnis unsrer Freude
Ist das Knäblein, für das heute
Böcklein sich zum Opfer bot,
Joseph steigt aus der Zisterne
Und der Herr zur Himmelsferne
Nach dem bittern Kreuzestod.

Es verschlingt der Zaubrer Schlangen
Diese Schlange, doch zu bangen
Brauchen Schlangen nur vor ihr;
Die von Feuerschlangen wunden
Macht ein einzger Blick gesunden
Auf die ehrne Schlange hier.

In des giergen Drachens Wangen
Christi Angelhacken drangen;
In des Basilisken Haus
Seine Hand streckt der Entwöhnte,
Und der Fürst, dem lange fröhnte
Diese Welt, fährt zögernd aus.

Der Prophet, ein Ziel des Spottes,
Als er schritt zum Hause Gottes
Läßt nicht frei die Spötter ziehn;
David, der sich irr beträgt,
Böcklein, drauf die Sünd' gelegt
Und der Sperling ledig fliehn.

Mit des Esels Backen fället
Samson tausend, ihm gesellet
Sich ein Weib aus fremdem Stamm,
Gazas Tor, das er zerschlagen,
Eilt im Laufe er zu tragen
Auf des Berges höchsten Kamm.

Judas Löwe macht zu Schande
Todes Bande, aus dem Lande
Steigt der Toten er hervor;
Da des Vaters Ruf erklinget,
Mit der Beute er sich schwinget
Zu der Gottesstadt empor.

Unserm Jonas Zeugnis gebend,
Aus des Wales Rachen lebend,
Wohlbehalten, ob auch bebend,
Steigt ans Ufer der Prophet;
Herrlich blühen Cyperns Reben,
Wachsen, blühen, ranken, streben,
Synagoge muß verleben,
Kirche in der Blüte steht.

Leben macht' den Tod zu Schanden,
Christ erstand aus Todes Banden,
Und mit Christo sind erstanden
Viele Zeugen seier Macht;
Dieser neue Freudenmorgen
Scheucht den Abend, scheucht die Sorgen,
Hat uns vor dem Tod geborgen,
Hat uns wahre Freud gebracht.

Jesu, uns zum Weg gegeben,
Wahrer Sieger, wahres Leben,
Dem der Tod erlag soeben,
Laß vertrauend, ohne Beben
Nahn uns deinem Ostermahl!
Lebensbrot, lebendge Welle,
Wahrer Rebstock, Lebensquelle,
Nähr uns, klär uns, mach uns helle,
Fest in deiner Gnad uns stelle
Vor des zweiten Todes Qual

Deutsch von Guido Maria Dreves (1854 – 1909)

fontes

Guido Maria Dreves, Clemens Blume, Ein Jahrtausend Lateinischer Hymnendichtung. Erster Teil, S. 266f.
Guido Maria Dreves, Die Kirche der Lateiner in ihren Liedern. Kempten, München 1908, S. 172ff. und 94ff.

scholia / marginalia

In Resurrectione Domini Sequentia
Zur Auferstehung des Herrn (Ostern)

metrum

Sechszeilige Doppelstrophen, bestehend aus je zwei dreizeiligen Halbstrophen, die durch den Reim zur sechszeiligen Strophe zusammengebunden werden. Reimschema aabccb

"Wir beobachten an dieser Sequenz den bei den Prosen der zweiten (der Reim-) Epoche so häufigen Bau. Der Körper derselben besteht aus einem sechszeiligen Versmaße, das wir uns aus dem trochäischen Trimeter dadurch entstanden denken können, daß dessen erste Hälfte wiederholt wird. Ist der jambische Dimeter die Hymnenstrophe par excellence, so können wir diese Strophe mit Recht als 'Sequenzenstrophe' bezeichnen. Die Schlußstrophen sind dann gerne dadurch erweitert, daß die oben erwähnte Wiederholung der ersten beiden Dipodien nicht ein-, sondern zwei- und dreimal eintritt."
Guido Maria Dreves, Die Kirche der Lateiner in ihren Liedern. Kempten, München 1908, S. 97

Metrische Übersetzung.