Fecunda verbo

Godescalus Lintpurgensis (ca. 1010 - 1098)

R-Inmitiale mit klassischer VerkündigungsdarstellungHier lesen Sie mehr zu dieser Illustration
aus dem Graduale von Katharinental.

 

Lateinisch:

Fecunda verbo
Tu virginum virgo,

Maria
Dei mater inclita,
Omni laude
Tu sola digna.

Dignare
Nos indignos famulos
Te laudare,
Regina cæli,

Mediatrix,
Mediatoris
Tu genetrix,

In qua Deo
Iunctus es homo,
Deus homini.

Unius tria sunt facta
Trinitatis opera
In carne de te sumpta:

Angelus ne cadat, homo
Lapsus hinc ut redeat
Temptator nec resurgat.

Se similans altissimo
Iam nec par est infimo,
Redemptus quia
Vivit homo.

Immortaliter mortuus,
Sed est mendax spiritus,
Quem strangulat ventris
Tui fructus.

At nos vitæ reparat,
Angelum firmat,
In se quos unus sociat.

Ergo, omnium domina,
Filium placa,
Supplices tuos adiuva,

Per quam solam solus
Omnibus
Vitam dat salvandis.

Deutsch:

Durchs Wort befruchtet,
Der Jungfrauen Jungfrau,

Maria,
Gottesmutter herrliche,
Allen Lobes
Du einzig würdge,

Würd'ge uns,
Dein' nicht würd'ge Diener, dich
zu erheben,
des Himmels Herrin.

Mittlerin du
und unsers Mittlers
Gebärerin,

In der mit Gott
der Mensch verbunden,
mit dem Menschen Gott.

Drei Werke sind der einigen
Dreifaltigkeit geschehn
im Fleische, dir entnommen,

Daß nicht der Engel fall', der Mensch
erstehe, der da fiel,
sich Satan nicht erhebe.

Der sich dem Höchsten gleichgestellt,
ist dem Niedrigsten nicht gleich,
dieweil erlöst der
Mensch nun lebet.

Unsterblich ist das Sterben,
dem dieser Lügengeist verfiel,
den deines Leibes Frucht
erwürget.

Uns beruft zum Leben er,
festigt den Engel,
und ihn und uns verbindet er.

Also, Herrin aller du,
söhne den Sohn aus,
hilf denen, welche zu dir flehn,

Eine, durch die der Eine
allen
Erwählten Leben schenkt.

Deutsch von Guido Maria Dreves (1854 – 1909)

fontes

Guido Maria Dreves, Clemens Blume, Ein Jahrtausend Lateinischer Hymnendichtung. Erster Teil, S. 188
Guido Maria Dreves, Die Kirche der Lateiner in ihren Liedern. Kempten, München 1908, S. 164 und 81

scholia / marginalia

De Beata Maria Virgine Sequentia
Sequenz auf die glückselige Jungfrau Maria

"Obgleich als Musiker weit höher stehend und weit berühmter, wird Heriman, wenn wir nach dem urteilen, was uns von ihm erhalten ist, als Sequenzendichter von Gottschalk von Limburg übertroffen. Außer Notker von St. Gallen wissen wir keinen Sequenzendichter der ersten rhythmischen und reimlosen Epoche, von dem wir eine größeere Anzahl von Prosen kennten als von Gottschalk. (...)
Gottschalk schreibt einen sehr eigenartigen Stil. An der Hand der zweifellos echten Sequenzen ist es daher nicht allzu schwierig, ihn als den Verfasser einer Reihe anderer ähnlicher Dichtungen nachzuweisen. Als Beispiel seiner Dichtunsart mag die kleine Mariensequenz Fecunda verbo dienen, als deren Verfasser er sich selbst bekennt." Guido Maria Dreves, Die Kirche der Lateiner in ihren Liedern. Kempten, München 1908, S. 79ff.

metrum

Die reimlosen Sequenzen der ersten Epoche zeichnen sich aus durch einen symmetrischen Aufbau, dergestalt, dass sich immer zwei Strophen paarweise entsprechen; die unpaarigen Eingangs- und Schlussstrophen einer Sequenz dieser Epoche umrahmen die paarigen.