Caelum, gaude

Sequenzen

Petrus Venerabilis (1092/94 - 1156)

Lateinisch:

Cælum, gaude, terra, plaude,
Nemo mutus sit a laude,
Ad antiquam originem
Redit homo per virginem.

Virgo Deum est enixa,
Unde vetus perit rixa,
Perit vetus discordia,
Succedit pax et gloria.

Tunc de cæno surgit reus,
Cum in feno iacet Deus,
Tunc vile celat stabulum
Cælestis escæ pabulum.

Nutrit virgo creatorem,
Ex se factum redemptorem,
Latet in pueritia
Divina sapientia.

Lac stillant matris ubera,
Lac fundunt nati viscera,
Dum gratiæ dulcedinem
Per assumtum dat hominem.

Ergo dulci melodia
Personemus, o Maria,
Religiosis vocibus
Et clamoris affectibus:

Salve, virgo benedicta,
Quæ fugasti maledicta,
Salve, mater altissimi,
Agni sponsa mitissimi.

Tu serpentem evicisti,
Cuius caput contrivisti,
Cum Deus ex te genitus
Eius fuit interitus.

Tu cælorum imperatrix,
Tu terrarum reparatrix,
Ad quam suspirant homines,
Quam nequam tremunt dæmones.

Tu fenestra, porta, vellus,
Aula, domus, templum, tellus,
Virginitatis lilium
Et rosa per martyrium.

Hortus clausus, fons hortorum,
Sordes lavans peccatorum,
Inquinatos purificans
Et mortuos vivificans.

Dominatrix angelorum,
Spes post Deum sæculorum,
Regis reclinatorium,
Et deitatis solium.

Stella fulgens orientis,
Umbras fugans occidentis,
Aurora solis prævia
Et dies noctis nescia.

Parens nostri tu parentis
Et genetrix nos gignentis,
Piæ matris fiducia
Natos petri concilia.

Ora, mater, Deum natum,
Nostrum solvat ut reatum
Et post concessam veniam
Det gratiam et gloriam.

deutsch:

Himmel, freue dich, Erde, spende Beifall,
niemand verstumme im Lob,
zu seinem alten Ursprung kehrt
der Mensch durch die Jungfrau zurück.

Die Jungfrau hat Gott geboren,
der den alten Hader endet
und die alte Zwietracht überwindet,
an ihre Stelle tritt Freude und Ruhm.

Dann erhebt sich der Schuldige aus dem Schmutz,
weil Gott im Stroh liegt,
dann verbirgt ein gemeiner Stall
die Nahrung der himmlischen Speise.

Die Jungfrau nährt den Schöpfer,
der durch sie zum Retter wurde,
in der Kindheit bleibt
die göttliche Weisheit verborgen.

Milch träufelt die Brust der Mutter, Milch
verströmen die Eingeweide des Neugeborenen,
da er die Süße der Gnade verleiht durch die
menschliche Natur, die er angenommen hat.

Singen wir daher ein süßes Lied,
o Maria,
mit gottesfürchtigen Stimmen und
inbrünstigem Beifall.

Sei gegrüßt, gesegnete Jungfrau, die du
das Verfluchte in die Flucht schlugst,
Sei gegrüßt, Mutter des Höchsten,
Braut des sanften Lammes.

Die Schlange hast du besiegt,
ihren Kopf hast du zertreten,
weil Gott aus dir geboren wurde,
war dies ihr Untergang.

Du, Herrin der Himmel,
Du, Erlöserin der Welt,
zu der die Menschen seufzen,
die die üblen Dämonen fürchten.

Du bist das Fenster, die Pforte, das Vlies,
das Schloss, das Haus, der Tempel, die Erde,
die Lilie der Jungfräulichkeit
und die Rose für das Martyrium.

Du geschlossener Garten, du Brunnen der Gärten,
du wäscht den Schmutz der Sünder,
du reinigst die Unreinen
und belebst die Verstorbenen.

Herrin der Engel,
nach Gott die Hoffnung der Jahrhunderte,
Sitz des Königs
und Thron der Gottheit.

Strahlender Stern des Morgenlandes,
du vertreibst die Schatten des Abendlandes,
du Morgenröte vor dem Aufgang der Sonne
und du Tag, der keine Nacht kennt.

Du Mutter unseres Vaters,
Gebärerin unseres Erzeugers,
durch den Glauben der frommen Mutter
die Vereinigung des Vaters mit den Geborenen.

Bitte, Mutter, den eingeborenen Sohn,
uns von unsern Sünden zu erlösen und
uns nach gewährter Verzeihung seiner Gnade
und seines Ruhms teilhaftig werden zu lassen.

Deutsch von René Strasser

fontes

Guido Maria Dreves, Clemens Blume, Ein Jahrtausend Lateinischer Hymnendichtung. Erster Teil, S. 241

scholia / marginalia

Prosa de Nativitate Domini
Sequenz zu Weihnachten.    – Zum Thema "Sequenz" vergl. unsere Miszelle Zur Sequenzendichtung.

metrum

vierzeilige Strophen, Reimschema aabb ccdd