De Sancto Thoma Aquinate

Anonymus

Lateinisch:

Thomas, insignis genere,
Claram ducens originem,
Subit ætatis teneræ
Prædicatorum ordinem.

Typum gessit Luciferi,
Splendens in cœtu nubium
Plus quam doctores ceteri,
Purgans dogma gentilium.

Profunda scrutans fluminum
In lucem pandit abdita,
Dum supra sensum hominum
Obscura facit cognita.

Fit paradisi fluvius
Quadripartite pervius,
Fit Gedeonis gladius,
Tuba, lagenæ radius.

Sit patri laus ac genito
Simulque sancto flamini,
Qui sancti Thomæ merito
Nos cæli iungat agmini.

Deutsch:

Thomas, aus bekanntem Geschlecht,
vornehmen Ursprungs,
tritt in frühem Alter
in den Orden der Prediger ein.

Wie das Vorbild des Morgensterns
Leuchtet er in der Versammlung der Wolken
Mehr als die übrigen Gelehrten,
widerlegt er die Lehren der Heiden.

Er erforscht die Tiefen der Ströme,
bringt das Verborgene ans Licht,
während er über die Vorstellung der Menschen
hinaus das Dunkle zur Erkenntnis bringt.

Er wird zum Fluß des Paradieses,
der nach vier Seiten strömt,
wird zum Schwert Gedeons,
zur Posaune, zum Licht in den Krügen.

Dem Vater sei Lob und dem Sohn
Wie auch dem heiligen Geist,
die uns durch die Verdienste des heiligen Thomas
der Schar der Himmlischen verbinden mögen.

Deutsch von René Strasser

fontes

Analecta hymnica medii aevi LII. Thesauri hymnologici Hymnarium. Die Hymnen des Theasaurus Hymnologicus H.A. Daniels und anderer Hymnen-Ausgaben. II. Die Hymnen des 12. – 16. Jahrhunderts aus den ältesten Quellen neu herausgegeben von Clemens Blume. Leipzig 1909, S. 303

scholia / marginalia

Hymnus de Sancto Thoma Aquinate
Ad Nocturnas

Hymnus auf den heiligen Thomas von Aquin
Zu den Nocturnen

Gedenktag des Heiligen ist der 7. März.

Die vierte Strophe des Hymnus ist eine Anspielung auf Richter 7, 16 – 23. Gedeon ließ seinem Gefolge als eine Art Kriegslist Posaunen und Krüge, in denen sich Fackeln befanden, verteilen. Im Verlauf der Kampfhandlung zerschlugen sie die Krüge, nahmen die Fackeln zur Hand, und der Lichtschein wurde sichtbar.

Thomas von Aquin

Predigermönch (* um 1225 – + 1274)

Thomas von Aquin erblickte das Licht der Welt zu Roccasecca, unweit von Aquino, wahrscheinlich zu Ende des Jahres 1225. Sein Vater Landolfo, Graf von Aquino, war langobardischer Abkunft, seine Mutter Theodora, eine geborene Gräfin von Theate, normannischen Blutes. Fünf Jahre alt ward Thomas zum Besuch der dortigen Schulen nach Monte Cassino verbracht, von wo er 1235 nach Neapel an die dortige Hochschule übersiedelte. Aber noch in demselben Jahre (nach andern erst 1243) nahm er das Kleid des hl. Dominikus.

Aus Besorgnis vor dem Unwillen seiner Familie ward er von den Ordensobern nach Rom und weiter nach Paris verschickt, auf der Reise dahin aber bei Aquapendente von seinen Brüdern überfallen und auf Castello San Giovanni gefangen gesetzt. Nach Jahresfrist durch den Einfluß der Mutter der Freiheit zurückgegeben, ging er mit dem Magister generalis seines Ordens, Johannes Teutonicus, über Paris nach Köln, wo er Alberts des Großen Schüler wurde. Er begleitete diesen in der Folge nach Paris (1245), kehrte aber 1248 mit ihm an den Rhein zurück, unter seiner Leitung mit Vorlesungen für die studierenden Ordensgenossen betraut. Von 1251 an las er in Paris im Konvent Saint-Jacques über den Meister den Sentenzen, ward 1254 (oder 56) zum Lizentiaten promoviert und nach längerem Widerstande der Universität im Oktober 1257 in das Dozentenkollegium eingereiht. Im Jahre 1260, spätestens 61, verließ er aber Paris aufs neue und weilte teils in der unmittelbaren Umgebung des Papstes Urban IV., teils in verschiedenen Städten Italiens. Das Bistum Neapel, das ihm Clemens IV. angetragen, schlug er aus, wohnte 1265 dem Kapitel seines Ordens in Anagni bei und leitete 1269 – 71 die Schulen der Dominikaner in Rom; 1272 finden wir ihn wieder in Paris, 1274 in Neapel, von wo ihn Gregor X. zum zweiten Konzil von Lyon berief. Auf dem Wege dahin erkrankte er in dem Hause seiner Nichte Francesca von Ceccano zu Maënza und starb in dem nahegelegenen Zisterzienserstifte Fossa Nova den 7. März 1274. Johann XXII. versetzte ihn den 18. Juli 1323 in die Zahl der Heiligen.“
(Guido Maria Dreves, Clemens Blume, Ein Jahrtausend Lateinischer Hymnendichtung. Erster Teil. Leipzig 1909, S. 355f.)

Die Gebeine des Heiligen wurden am 28. Januar 1369 nach Toulouse in die Kirche des Dominikanerklosters Les Jacobins überführt.

Am 25. April 1567 ernannte Pius V. Thomas von Aquin zum Kirchenlehrer, als solcher trägt er den Ehrentitel doctor angelicus.

Dante deutet in der göttlichen Komödie (Purgatorio, XX, 69) an, dass Karl I. von Anjou für seinen Tod verantwortlich gewesen sei.

Herabkam Karl nach Welschland und – zur Buße
Ließ Konradin er sterben, schickte dann
Ins Paradies Sankt Thomas – auch zur Buße!
Deutsch von Richard Zoozmann,1863- 1934)

Nach anderer Überlieferung sei Thomas von einem Arzt, der dem König einen Gefallen erweisen wollte, vergiftet worden.

„Für die Hymnologie kommt Thomas von Aquin in Betracht als Verfasser des Offiziums für das Fest des Fronleichnams. Die Einführung dieses Festes war veranlaßt durch die Visionen der seligen Juliana von Mont-Cornillon bei Lüttich, welche sich dem Dominikaner Hugo und dem Erzdiakon Jacobus Pantaleon anvertraute. Ersterer ward bald darauf zum Kardinallegaten ernannt und führte das Fest zunächst im Lütticher Sprengel ein; letzterer ward 1261 Papst und dehnte das neue Fest 1264 auf die ganze Christenheit aus. Mit Abfassung des Officiums (Tageszeiten und Messe) betraute er Thomas von Aquin, der jene mit unvergänglichen Hymnen, diese mit einer unsterblichen Sequenz ausstattete. Außerdem stammt von ihm das tiefempfundene Adore te devote.“
(Guido Maria Dreves, Clemens Blume, Ein Jahrtausend Lateinischer Hymnendichtung. Erster Teil. Leipzig 1909, S. 355f.)

"Diesem Riesengeist kam zuletzt die Unzulänglichkeit seines Unternehmens deutlich zum Bewußtsein, was der ergreifendste Vorgang seines Lebens ist. Als er einst aus der Messe in seine Zelle zurückkehrte, war er seltsam verändert, legte den Gänsekiel beiseite und antwortete auf die eindringliche Befragung seines Freundes nur: 'Alles, was ich geschrieben habe, erscheint mir wie Spreu, verglichen mit dem, was ich geschaut habe und was mir offenbart worden ist.' Erschütternder urteilte wohl kaum je ein großer Denker am Ende seines Lebens über sein eigenes Werk. Wie Spreu kamen ihm seine mächtigen Ausführungen gegenüber der lichtvollen Gottesschau vor, die ihn in der Kirche überflutet hatte.nDer schreibgewaltige Thomas trat hierauf in das Schweigen ein, und man hat den scharfsinnigen Dominikaner nicht begriffen, achtet man nicht auf dieses Verstummen. Dieser Abschluß von Thomas' Denkarbeit zeigt besser als viele Worte, daß der Fürst der Scholastiker keine Gefangener seines Systems war und enthüllt überwältigend seine echte Christlichkeit. Im übrigen war der Aquinate nicht von Anfang an der unbestrittene Höhepunkt der Scholastik. Seine Vorliebe für Aristoteles erregte zuerst bei den traditionalistisch eingestellten Menschen offenkundiges Ärgernis, einige Sätze von ihm hat der Bischof von Paris verurteilt. Doch setzte sich sein beinahe übermächtiges Werk durch, und bald duldete der Orden jegliches ungünstige Urteil über ihn nicht mehr. Schon zu Beginn des 14. Jahrhunderts erklärte man die Lehre des Thomas' zur festen Richtschnur für das Studium, und später mußten alle das Predigtamt ausübenden Mitglieder des Ordens den Eid ablegen: 'Ich schwöre, gelobe und verpflichte mich, daß ich nicht von der sicheren Lehre des heiligen Thomas abweichen werde.' Der Dominikanerorden hat sich mit Thomas von Aquin identifiziert, er tritt als gleichwertige Autorität neben Dominikus. Als Doktor angelicus ist er für den Predigerorden der Kirchenlehrer geworden, ein Urteil, dem sich auch Pius XI. in seiner Thomas Enzyklika anschloß.ausstattete.

(Walter Nigg, Vom Geheimnis der Mönche. Zürich, Stuttgart, 1953, S. 309f.)

 

Literatur

Gilberth Keith Chesterton, Thomas von Aquin (verschiedene Ausgaben, manche auch mit anderem Titel oder Untertitel, zum Beispiel: Der stumme Ochse. Über Thomas von Aquin. Freiburg i.Br. 1960)

Josef Pieper, Hinführung zu Thomas von Aquin. Zwölf Vorlesungen. München 1958, 1963

Josef Pieper, Kurze Auskunft über Thomas von Aquin. Dritte Auflage. München 1963

Marie-Dominique Chenu, Thomas von Aquin. In Selbstzeugnissen und Bilddokumenten. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1960 (rowohlts monographien)

David Berger, Thomas von Aquin und die Liturgie. Köln: Editiones Thomisticae, 2. verbesserte und erweiterte Auflage, 2000

Thomas von Aquin. Thomas-Brevier, lateinisch – deutsch. Zusammengestellt, verdeutscht und eingeleitet von Josef Pieper. München 1956

Thomas von Aquin, Gebete, lateinisch – deutsch. Auswahl und Übertragung von Willi Reich. Zürich 1962

Thomas von Aquin. Sentenzen von Thomas von Aquin. Deutsch von Josef Pieper. München 1965

metrum

Versmaß: ambrosianisch (metrum ambrosianum), akatalektische iambische Dimeter, anstelle der Iamben können an erster und dritter Stelle auch Spondäen und Anapäste stehen (vgl. Aldalbert Schulte, Die Hymnen des Breviers, S. 9f.).

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