Magister Orbis Maxime

Anonymus

Lateinisch:

Magister Orbis maxime
Qui mente clara cælitus
Scrutaris inscrutabile
Trini Dei mysterium.

Ecclesiæ sol splendide,
Ardore cuius igneo
Solvuntur imbres criminum
Nubes fugantur hæresum.

Scriptis Arii destruis,
Manetis unca dogmata,
Donati et atra schismata
Verbo potenti dissipas.

Per te subactis hostibus
Christi triumphat gratia
Et veritatis fulmine
Anguem Britannum conteris.

Quæcumque monstra protulit
Orcus, quot inde proferet,
Libris repressa concident,
Quibus fides innitur.

Te iure solitudines
Exuberantes monachis,
Et restituti prædicant
Normæ priori clerici.

Fove precantes, Trinitas
Ex Patre Verbum Caritas!
Quos Doctor Ardens erudit,
Amoris auge fructibus.

Amen.

 

Deutsch:

Lehrmeister du des Erdenrunds,
der klaren Sinns vom Himmel her
durchforscht das unerforschliche
Geheimnis der Dreieinigkeit.

Der Kirche helle Sonne du,
durch deren flammenheiße Glut
der Sünde Wolkenbruch verstummt,
der Irrlehr‘ Dunstgewölk entflieht!

Du bringst zu Fall und widerlegst
Arius‘, Manis falsche Lehr‘,
die Spaltereien des Donat
hast du mit Wortgewalt zerstreut.

Du wirfst die Feinde in den Staub,
dass Christi Gnade triumphier‘,
und mit der Wahrheit Blitzesstrahl
triffst du Britanniens Schlang‘* aufs Haupt.

Was je an Ungeheuern spie,
was je der Orkus fürder speit,
durch deine Weisheit ward’s zermalmt,
auf die sich unser Glaube stützt.

Dich preist zu Recht der Wüstensand,
der überall von Mönchen blüht,
dich preist der Klerus, den du klug
nach Grundsatz wiederhergestellt.

Schütz, die da flehn, Dreifaltigkeit,
Sohn aus dem Vater, Liebesgeist,
und die der Doctor Ardens lehrt,
mehr‘ ihre Liebe, mehr‘ die Frucht.

Amen.

Deutsch von Hans Jürgen Bertram


* Gemeint ist der Irrlehrer Pelagius

fontes

Eine Quelle für den hier wiedergegebenen Wortlaut ist derzeit nicht feststellbar. Derselbe Hymnus mit nur wenigen Textvarianten findet sich in einer italienischen Sammlung.
D. Vincenzo Montini, Nuova Poetica Versione degli Inni Sequenze Cantici ed altre divote preci che s' usano nella chiesa dietro gli ordini che vengono emessi dalla rispettiva ecclesiatica autorità. Padova 1840, p. 121

scholia / marginalia

Zu den Laudes
Gedenktag des Heiligen ist der 28. August.

Augustinus von Hippo (13. November 354 - 28. Augst 430)

Augustinus gehört mit Ambrosius von Mailand, Hieronymus, Papst Gregor dem Großen zu den vier großen vier großen abendländischen Kirchenlehrern der Spätantike.

Augustinus wurde in Tagaste in der nordafrikanischen römischen Provinz Numidien geboren. Seine Ausbildung erhielt er in Tagaste, Madauros und Karthago. In seiner Jugend führte er ein ausschweifendes Leben. Seiner Verbindung mit einer Frau, von der nichts Näheres bekannt ist, entstammte ein Sohn. Augustinus wirkte als Rhetoriklehrer in Tagaste und Karthago. Im Jahre 383 zog er nach Rom, und ab 384 war er Rhetorikleher in Mailand. Nach einer persönlichen Krise erfolgte eine Annäherung an das Christentum, und in der Osternacht des Jahres 387 wurde er mit seinem Sohn von Ambrosius getauft.

Nach legendarischer Überlieferung soll dabei das Te Deum entstanden sein. Die deutsche Bezeichnung „Ambrosianischer Lobgesang“ (Hymuns Ambrosianus) geht wohl auf diese Legende zurück, wonach die Verse des Hymnus von Ambrosius und Augustinus wechselweise gesungen wurden, als letzterer die Taufe empfangen hatte (Adalbert Schulte, Die Hymnen des Breviers, S. 25 f.).

Im gleichen Jahr machte er sich auf den Rückweg nach Karthago, wo er aber erst Ende 388 eintraf. 391 wurde er zum Priester geweiht. Danach gründete er ein Kloster, wo er bis zu seiner Ernennung zum Bischof von Hippo im Jahre 396 lebte.

Von Augustinus sind zahlreiche Werke überliefert. Zu den wichtigsten und bekanntesten gehören die autobiographischen Confessiones (Bekenntnisse) und die beiden Schriften De Trinitate (Über die Dreifaltigkeit) und De civitate Dei (Über den Gottesstaat).

Während der Belagerung der Stadt Hippo durch die Vandalen verstarb Augustinus im Jahre 430.

Der Wortlaut der hier wiedergegebenen Hymne weicht geringfügig von jenem in der Ausgabe von Padua (1840) ab; hier die drei abweichenden Verse.

Dritte Strophe, zweiter Vers:
Manetis orta dogmata

Fünfte Strophe, erster Vers:
Quaecumque monstra pertulit

Letzte Strophe, dritter Vers:
Quos Patris ardor edidit

Zur Verfasserschaft der Hymne gibt der Herausgeber D. Vincenzo Montini folgenden Hinweis: "Secondo alcuni, dell' Academia dei Somaschi; e secondo altri, d'un Padre delle Scuole Pie di Roma."

*

Bild: René Strasser

 

metrum

Versmaß: ambrosianisch (metrum ambrosianum), akatalektische iambische Dimeter, anstelle der Iamben können an erster und dritter Stelle auch Spondäen und Anapäste stehen (vgl. Aldalbert Schulte, Die Hymnen des Breviers, S. 9f.).