Virtute vir clarissime

Ioannes Georgius Bertram (* 1937)

Lateinisch:

In festo B. Ruperti Mayer Confessoris

Virtute vir clarissime
Christi sascerdos integer,
fili Beati Ignatii
fortissime inter milites!

Confessor impigerrime,
Contra scelestos impios
tonante voce postulas
ius veritatis obrutæ.

Homiliis non desinis
gregem fidelem pascere
et pelle crudeles lupos
tectos ovina pellere.

Ter terror audet publicus
traxisse te de pulpito,
Constantiam nixam fide
ter condomare destitit.

Qui Marte cruris truncus es,
zelo laboras duplici,
ut Christiana cum fide
ceu stella surgat caritas.

Confectus ægrimoniis
Superstes autem carceri
plena, bonum ut servum decet,
in messe mortuus cadis.

Apostolo, Monachium,
hoc gloriaberis tuo,
dum Christianum manseris
falsosque respuis deos.

Ruperte, constemus prece:
"Opem fer, Alme Spiritus,
tuis reple nos ignibus
humi iacentes languidos!

Ex fraudulento somnio
pacis socordis excita
vocationis munera
fastidientes clericos!

Hoc insolescens sæculum
suis tumensque machinis
reduc in amplos limites
salubris ignorantiæ!"

Nos, Trinitatis Unitas,
Tuis inunda gratiis
per osque Ruperti Tibi
sit sempiterna gloria!

Amen.

Deutsch:

Am Fest des seligen Rupert Mayer, Bekenner

Mann, wahrer Mannheit leuchtend Bild,
ein Priester Christi durch und durch,
des heiligen Ignatius
Sohn du von höchstem Kampfesgeist!

Bekenner, heil'gen Eifers voll,
Gottloser Frevlerschar zum Trotz
vertrittst mit Donnerstimme du
der unterdrückten Wahrheit Recht.

Als Prediger hörst du nicht auf,
der treuen Herde Hirt zu sein,
Die Wölfe, die im Schafspelz nahn,
zu scheuchen all, die grausigen.

Dreimal vermaß der Schreckensstaat
sich, dir die Kanzel zu entziehn;
Starkmut, der auf dem Glauben ruht,
zu beugen, ließ er dreimal ab.

Durch Krieg verlustig eines Beins,
erfüllt verstärkter Eifer dich,
dass christlich wie der Glaube blüh',
aus ihm der Stern der Liebe glüh'.

Durch Kümmernisse mancher Art
verzehrt, doch endlich haftbefreit,
trifft dich als guten, treuen Knecht
zur vollen Erntezeit der Tod.

O München, des Apostels dein
wirst du dich rühmen alsolang,
wie du im Glauben fest verharrst
und falsche Götter von dir weist.

Rupert, stehn fest wir im Gebet:
"Komm uns zu Hilfe, Heilger Geist,
erfülle ganz mit deiner Glut,
uns, die's erschlafft zu Boden warf!

Weck auf den Klerus aus dem Traum,
den er betört und sorglos träumt
und der Berufung heilge Pflicht
voll Widerwillen von sich stößt!

Und dies Jahrhundert, das so stolz
gebläht auf die Maschine pocht,
in weite Grenzen führ's zurück
heilsträchtiger Unwissenheit!"

O höchster Dreiheit Einigkeit,
durchflut' uns ganz mit Deiner Gnad!
Dir schalle durch Ruperti Mund
Lobpreis in alle Ewigkeit!

Amen.

Deutsch von Hans Jürgen Bertram

 

fontes

Die lateinische Hymne wie auch die deutsche Übertragung derselben, die der Verfasser selbst vorgenommen hat, wird hier zum ersten Mal veröffentlicht.

Lateinische Hymnen des Verfassers sind auch in folgenden Veröffentlichungen zu finden:
Ioannes Georgius Bertram (Hansjürgen Bertram), Hymnarium Suppletivum. Hymni sacri qui in Breviario Romano desunt. 2009

Weitere Hymnen mit deutschen Übersetzungen auch in:
Una voce-Korrespondenz 41 (2011), Heft 2, S. 197 - 204, Teil 1
Una voce-Korrespondenz 41 (2011), Heft 3, S. 275 - 286, Teil 2

Das "Hymnarium Suppletivum" ist beim Verfasser erhältlich (Preis Euro 8,00 plus Versandkosten): Hansjürgen Bertram, Leyler Weg 21, 56656 Brohl-Lützing

Eine neue Sammlung der lateinischen Hymnen mit deutscher Übersetzung von Hansjürgen Bertram soll demnächst in Druck gehen: Hymnarium. Hymni sacri recentiores. ca. 188 S., ca. Euro 30,00. - Bestellungen können ab sofort beim Verfasser erfolgen (s.o.)

scholia / marginalia

Gedenktag des Seligen ist der 3. November.

Bei der Veröffentlichung der beiden Hymnen "O gente felix hospita" und "O lux beata caelitum" von Papst Leo XIII. (1810 – 1903), die zu den jüngsten Hymnen im Breviarium Romanum gehören, wurden diese hier im "Hymnarium" als ein eindrückliches Beispiel dafür genannt, dass auch in neuerer Zeit kirchliche lateinische Hymnendichtung nicht nur denkbar, sondern möglich ist, selbst im Schatten scheinbar übermächtiger Vorbilder.

Hintergrund dieser Feststellung war die Erwartung, dass irgendwann eine Besinnung auf die ehrwürdige lateinische Sprache und ihre Bedeutung für die Liturgie erfolgen möchte, welche das Konzil ausdrücklich gewünscht hat und die noch immer die offizielle Kirchensprache ist (cf. Apostolische Konstitution "de latinitatis studio provehendo" Veterum sapientia von Papst Johannes XXIII. sowie das Motu proprio Latina Lingua von Benedikt XVI.)

Nun hat rund hundert Jahre nach dem Tod von Papst Leo XIII. Hansjürgen Bertram eine grössere Zahl beeindruckender Hymnen in lateinischer Sprache vorgelegt (2009), die im Breviarium Romanum "fehlen" (Hymni sacri qui in Breviario Romano desunt).

Papst Benedikt XVI. scheint von diesen Hymnen, als sie ihm vorgelegt wurden, angetan gewesen zu sein, verfügte er doch, wie aus einem Brief des Secretaria Status. Sectio pro generalibus negotiis vom 20. Oktober 2009 hervorgeht, dass sie der "Heiligen Kongregation für den Gottesdienst" vorgelegt würden (Quod attinet ad hymnarium vel hymnorum novorum collectionem, Congregationi Pro Cultu Divino exemplar Tuum Ipse proponere dignabitur diligenti iudicio perpendendum, si qui Breviario translaticio queant inseri, potissimum quos in honorem Sanctorum novorum panxisti, quod tamen ne praeveniatur, enixe commonet.).

In Zeiten allerdings, da den Vertretern der Kirche der Sinn für sakrale und liturgische Sprache abhanden gekommen ist, da es ihnen förmlich die Sprache verschlagen hat, sie nicht in der Lage sind die lateinische Rücktrittserklärung des Papstes zu verstehen und sie Zuflucht zum Jargon der Strasse nehmen, besteht wenig Hoffnung, dass eine solche Kongregation den Schatz erkennt, der ihr zugeleitet wurde und in ihm ein Beispiel und Vorbild erkennt, um die Sprachlosigkeit zu überwinden.

Der Verfasser der lateinischen Hymnen hat einige von ihnen unter Beibehaltung der metrischen Form in die deutsche Sprache übertragen, und es ist vorgesehen, dass weitere Übersetzungen folgen.

Das Spektrum dieser "neuen" Hymnen ist erstaunlich groß und vielfältig; es reicht von Heiligen wie Ephräm dem Syrer, Augustinus, Bonifatius, Bernhard von Clairvaux, Elisabeth von Thüringen bis zu Thomas Morus, Paulus Miki von Nagasaki, dem Pfarrer von Ars, zum seligen Kardinal John Henry Newman und den Heiligen neuerer Zeit wie Maria Goretti, Charles de Foucauld, Mutter Teresa, Maximilian Kolbe und Edith Stein.

Auch eine Hymne auf József Kardinal Mindszenty, dessen Seligsprechungsverfahren angestrebt wird, und eine Hymne auf Papst Pius XII., desssen Seligsprechungsverfahren eingeleitet ist und dessen Gedenken dieser kleine Band gewidmet ist (Beatae memoriae Sanctitatis suae Pii Papae XIIi Pontificis Maximi Regiminis pro temporum adversatibus Fausti et benedicti), liegen vor.

Der selige Rupert Mayer

Rupert Mayer (23. Januar 1876 - 1. November 1945) war deutscher Jesuit und in der Zeit des Nationalsozialismus eine wichtige Gestalt des katholischen Widerstands in München.

Er studierte in Freiburg im Üechtland, München und Tübingen Philosophie und Theologie. Im ersten Weltkrieg wirkte er als Feldprediger. Nach der Machtübernahme erregte der kritische mutige Prediger Anstoss bei den Machthabern des Dritten Reiches, wurde mehrmals verhaftet und wieder freigelassen, erhielt Predigtverbot und wurde schliesslich am 3. November 1939 im Konzentrationslager Sachsenhausen inhaftiert.

1945, im Jahr des Kriegsendes, konnte Rupert Mayer nach München zurückkehren. Im gleichen Jahr erlitt er während seiner Predigt zu Allerheiligen einen Schlaganfall, an dessen Folgen er noch gleichen Tags verstarb.

 

Schon zu Lebzeiten wurde er als "Apostel Münchens" und als Heiliger verehrt. Papst Johannes Paul II. hat ihn am 3. Mai 1987 in München seliggesprochen.

 

metrum

Versmaß: ambrosianisch (metrum ambrosianum), akatalektische iambische Dimeter, anstelle der Iamben können an erster und dritter Stelle auch Spondäen und Anapäste stehen (vgl. Aldalbert Schulte, Die Hymnen des Breviers, S. 9f.).