Alma Christi quando fides

Anonymus

Lateinisch:

Alma Christi quando fides
mundo passim traditur
Et per latos orbis fines
igne flagrans floruit,
Tunc elegit gratum sibi
militem Mauritium.

Tunc armati spiritali
ense Christi milites,
Submittentes velut agnus
pia colla iugulo,
Triumphabant trucidati
spreto mundi principe.

Qui loricam fide textam
forti gestans pectore,
Qua beata Thebæorum
induebat agmina,
Ad cælorum ut consortes
incitaret præmia.

Contemnentes blandimenta
tyrannorum noxia
Flocci pendunt mundi pœnas
sub momento vincere,
Ut ditentur sempiterno
sine fine munere.

Martyr sacer quo vocavit
inclitus Mauritius,
Omnes simul quasi unus
vir, dictu mirabile,
Ad coronam promerendam
properabant cælitus.

Diem festum revolutum
anni monstrat orbita,
Qua beatam Thebæorum
legionem colimus,
Ægris salus quo præstatur,
cæcis visus funditur.

Nunc quapropter supplicantes
illi preces fundimus,
Ut dignetur nobis Christum
facere propitium,
Quem amavit, cum quo regnat
nunc et in perpetuum.

Deutsch:

Damals, als der segensreiche Glaube
Christi in der Welt allenthalben verbreitet
wird und durch weite Gebiete des
Erdkreises im Feuer loderte und blühte,
erwählte er sich
als treuen Streiter Mauritius.

Die damals mit dem Schwert Christi
geistig gerüsteten Soldaten
beugten die Hälse fügsam unter
das Joch wie das Schaf, und
die Niedergemetzelten triumphierten
über den verachteten Fürsten der Welt.

In fester Treue trugen sie in der Brust
den geflochtenen Panzer,
mit dem sich die Schar
der Thebäer wappnete,
weil die Gefährten der Lohn
des Himmels anspornte.

Sie verachten die verderblichen
Verlockungen der Tyrannen,
als Kleinigkeiten achten sie es, die
Strafen der Welt für kurze Zeit zu besiegen,
damit sie durch eine immerwährendes
Geschenk ohne Ende bereichert werden.

Wohin der berühmte heilige
Märtyrer Mauritius sie rief,
eilten alle gleichzeitig wie ein
einziger Mann - es ist wunderbar zu
sagen -, um die Krone zu verdienen,
die vom Himmel kommt.

Der Kreislauf des Jahres zeigt
diesen festlich aufgegangenen Tag,
an dem wir die glückselige Legion
der Thebäer verehren, an dem
sich das Heil den Bekümmerten zeigt,
den Blinden Sehkraft verliehen wird.

Deswegen verrichten
die Flehenden jetzt Gebete,
auf dass wir würdig werden,
uns Christus gnädig zu stimmen,
den er geliebt hat, mit dem er herrscht,
jetzt und in Ewigkeit.

Deutsch von René Strasser

fontes

Guido Maria Dreves, Clemens Blume, Ein Jahrtausend Lateinischer Hymnendichtung. Zweiter Teil. Leipzig 1909, S. 337f.

scholia/marginalia

De Sancto Mauritio Hymnus
Hymnus vom heiligen Mauritius

Gedenktag des Heiligen ist der 22. September.

"In zahlreichen handschriftlichen, vorwiegend deutschen Quellen, deren älteste ein Sankt-Galler Brevier aus dem Ende des 10. oder dem Anfang des 11. Jahrhunderts. Den Ursprung des schönen und getragenen Liedes haben wir wohl in Agaunum zu suchen und zwar in früher Zeit, wie das Fehlen des Reimes neben der genau beachteten Cäsur in jeder ersten Halbzeile der Fünfzehnsilber beweist, wenn auch nicht gerade im 6. Jahrhundert, wie Mone meint, eine Meinung, die jeder Stütze entbehrt."
Guido Maria Dreves, Clemens Blume, Ein Jahrtausend Lateinischer Hymnendichtung. Zweiter Teil, S. 337f.

Nach der Überlieferung war Mauritius römischer Offizier und Anführer der thebäischen Legion, die in der Thebais in Ägypten ausgehoben wurde und die nur aus Christen bestand. Die Legion war in Agaunum an der Rhone, dem heutigen St-Maurice im Wallis (Schweiz), stationiert. Als sich die Legionäre weigerten, den alten Göttern zu opfern, ließ Kaiser Mamiminian, der sich zu jener Zeit in Octodurum (Martigny, Wallis) aufhielt, die Legion mehrmals dezimieren und so die ganze Einheit vernichten.

Die älteste Quelle, welche die Geschichte des Mauritius und seiner Legionäre überliefert, ist die Passio Agaunensium martyrum (entstanden um 430) des Eucherius von Lyon (vor 410 - um 450).

Die Gebeine der Ermodeten wurden um 380 aufgefunden.

Am 22. September 515 gründete Sigismund, der spätere Burgunderkönig († 523/24), bei der Grabstätte ein Kloster, die heutige Abbaye Saint Maurice. Die Abbaye Saint Maurice gilt als das älteste Kloster des Abendlandes, das ohne Unterbruch bis zum heutigen Tag bewohnt war.

Zum Auftakt der 1500-Jahr-Feiern, die von der Unesco unterstützt werden und die am 22. September 2014, dem Gedenktag des Heiligen und seiner Gefährten, beginnen und ein ganzes Jahr dauern, veröffentlichte das Hymnarium die Sequenz O beata legio aus dem 15. Jahrhundert.

Zum Abschluss des Jubeljahrs am 22. September 2015 folgt hier der Hymnus Alma Christi quando fides aus der Zeit vom Ende des 10. oder dem Anfang des 11. Jahrhunderts.

In Deutschland ist Mauritius Patron der Abtei St. Mauritius in Tholey, älteste deutsche Klostergründung, und Patron des Doms und früher auch des Mauritius-Klosters in Magdeburg; er galt auch als Schutzpatron der Kaiser des Heiligen Römischen Reichs.

In Frankreich ist Mauritus Patron der Cathédrale Saint-Maurice in Angers. An der Ostwand des nördlichen Querschiff wird Mauritius in einem Glasfenster aus dem 15. Jahrhundert dargestellt. In der Nachbarstadt Tours wird der heilige Martin, ein anderer römischer Soldat, verehrt. Auch die Kathedralen von Mirepoix und Vienne sind dem heiligen Mauritius geweiht.

Aus der "Legende des heiligen Mauritius" werden hier die wichtigsten Episoden wiedergegeben:

Der liebe Herr Sankt Mauritius war ein Herzog in der Stadt Theba. Die Stadt ist an der vier Wasser eins gebaut, die aus dem Paradies gehen. Und die Stadt war so groß, daß hundert Tore in der Stadt Mauer gingen. Da hätt Sankt Jaob, (der Unserm Herrn gleich war) die Stadt und das Land bekehret zu Christilichem Glauben. Und nach Unsers Herrn Geburt über zweihundert und achtzehn Jahr, da war Maximinian und Diokletian beide Kaiser zu Rom. Und die waren beid Heiden, und schrieben Brief in die Lande, da Sankt Mauritz Herzog war, und geboten ihnen auch, daß sie kämen. Da kam Sankt Mauritius mit einem großen Volk, das waren sechstausend sechshundert und sechsundsechzig Mann, und waren Sankt Mauritius, Gereon, Candidus, Innocentius, Viktor und Constantin, die sechs, Herren über die anderen. Und jeglicher hätt tausend und hundert und zehen Mann unter sich. Und kamen mit großer Herrschaft zu dem Kaiser, und doch den Christen nicht zu Leid.

Wann Sankt Mauritz und die anderenHerren all, die bei ihm waren, und auch ihre Gesind, waren all Christen und hätten Gott lieb. Und waren größer an dem Leibe dann ander Menschen, auch kühner, behender, weiser und frischer, auch schöner dann ander Menschen. Und da die Schar gen Hof kam, da war ihrer der Kaiser Diokletian gar froh. Und hieß sie Maximinian, überall mit den Fürsten und Herren reiten, daß sie die Christen zwüngen, daß sie den Abgöttern söllten opfern. Und da nahm Maximinian das Heer mit sich, und kam auf den Weg und wöllt da den Abgöttern opfern. Da machet sich der heilige Mauritius mit seinem Heere von ihm und ritt dar zu dem Papst Marzellian. Der saget ihnen das Gottes Wort mit ganzen Treuen vor. Und sprach zu ihnen: "Lieben Kind, lasset euch des Christlichen Glaubens niemand berauben, und leidet eh den Tod um die Ewige Freude, die euch dort im Himmelreich wird." Von dem Trost wurden sie all gar kühn.

Da wurde Maximinian von Sankt Mauritzen und von seinem Heer gesagt, daß sie Christen wären, und daß sie von ihm entwichen wären, und daß sie seinen Göttern nicht wöllten opfern. Das tät ihn zürnen, und sendet nach ihnen und entbot ihnen, daß sie zu ihm kämen und seinen Göttern opferten. Da entboten sie ihm hinwieder, sie hätten sich zu Christlichem Glauben verbunden, darum wöllten sie seinen Abgöttern nicht opfern. Da er das höret, das tät ihn zürnen. Und entbot ihnen, wöllten sie ihren Glauben nicht lassen und wöllten ihm nicht folgen, so sölle man je den zehenten Mann unter ihrem Heer töten. Das saget man Sankt Mauritzen und seinem Heer. Da waren sie gar fest an ihrem Glauben, und ließen Schild und Schwert fahren und reckten ihre Häls dar. Da sprach Sankt Mauritz zu seiner Ritterschaft: "Wohl mir, daß ich seh, daß ihre alle stark an Christlichem Glauben seied, daß ihr den Tod nicht fürchtet." Und sprach zu des Kaisers Dienern: "Wir wöllten uns eurer wohl erwehren mit unserer großen Ritterschaft, so leiden wir gern durch Gott." Da tötet man je den zehenten Mann, da ward Mauritus auch erschlagen.

Darnach sprach der Kaiser zu seinen Dienern: "Nun, wöllen sie unsere Götter noch nicht anbeten, so erschlaget aber den zehenten!" Da erschraken sie aber nicht, und waren fest an Gott. Und sprach Sankt Gereon: "Wir sollen uns wappnen mit Geduld, mit Demut, Unserem Herrn Jesus Christo zu Lobe. Und söllen dem Kaiser heißen sagen, daß wir uns des Christlichen Glaubens niemand lassen berauben. Und seien bereit zu leiden, als das Gott löblicher ist." Da man das dem Kaiser saget, da ward er gar zornig, und ritt zu den Christen. Da fielen sie alle fröhlich auf ihre Knie und opferten sich dem allmächtigen Gott. Da schlug man sie all zu Tod, da fuhren ihre Seelen zu den Ewigen Freuden. Da nahmen die Heiden ihr Gewand und teilten es unter sich. Und saßen bei den toten Christen und aßen und trunken. Darnach starb Maximinian an einen Galgen, das hätt er an den Heiligen verdienet, wann er war an viel Christen schuldig. Das muß er ewiglich büßen in der Höllen. Der Heiligen Leben und Leiden, anders genannt das Passional. Zweiter Band: Sommerteil. Herausgegeben von Severin Rüttgers. Leipzig 1913, S. 421ff.

Der heilige Mauritus in der bildenden Kunst

Der heilige Mauritius ist in der bildenden Kunst häufig dargestellt worden. Am berühmtesten sind die Gemälde von Mathis Gothart-Nithart (Mathias Grünewald) (1475 - 1528) und El Greco (1541 - 1614).
Seit dem späten Mittelalter wird Mauritius häufig als Mohr dargestellt.

Bildlegenden

Mauritiusschrein - Mauricius / Châsse de saint Sigismond et de ses enfants ©Abbaye de Saint-Maurice

Mathis Gothart-Nithart (Mathias Grünewald, 1475 - 1528), Die hl. Erasmus und Mauritius (1520/24), Alte Pinakothek, München

El Greco (1541 - 1614), Das Martyrium des Mauritius und seiner Thebäischen Legion (1580/82), Kloster San Lorenzo, Escorial, Madrid

 

metrum

Versmaß: trochäischer Septenarius (sieben trochäische Füße und eine Länge), katalektisch