Ave, trinus in personis

Konrad von Haimburg (†1360)

Lateinisch:

Ave, trinus in personis,
Unus in essentia,
Indivisus tu in donis
Cuncta creans entia;
Iam virtutum diter donis
Ex tua præsentia.

Ave, Christe, reparator
Protoplasti generis,
Iesu, Dei mediator
Et humani f œderis,
Quaeso, mihi sis salvator
Ut electis ceteris.

Ave, virgo singularis,
Felix tu puerpera,
Universis dominaris,
O regina, impera,
Ne me morsibus amaris
Stygis lædat vipera.

Ave, chori angelorum,
Deitatis facie
Illustrati electorum
Omnium in acie,
Mihi, precor, supernorum
Fert lumen gratiæ.

Ave, tu baptista Christi,
Maior natis hominum,
Verbi Dei vox præisti
Nuntiare dominum,
Fac, ne claudam nece tristi
Huius vitæ terminum.

Ave, felix duodena
Clange apostolica,
Quorum vita non terrena
Nec potestas modica,
Per vos mihi salus plena
Detur, virtus cælica.

Ave, cohors prophetarum,
Signis miris inclita,
Cantio patriarcharum
Sacra stirpe prædita,
Dona ferte gratiarum
Hostis fraude domita.

vAve, cœtus novæ legis
Scribens evangelia,
Ac discipulorum regis
Nova dans præconia,
Ad superni per vos gregis
Transferar ovilia.

Ave, phalanx purpurata
In cruoris flumine,
Innocenter candidata
Turba rubens sanguine,
Vita sumat me beata
Vestro deprecamine.

Ave, sacer grex doctorum,
Veritatis speculum,
Rector quoque populorum,
Felix chorus præsulum,
Per vos Christus, rex cælorum,
Salvet me in sæculum.

Ave, agmen confessorum,
Lux fidelis populi,
O caterva monachorum
Cuncta spernens sæculi,
Vestra prece peccatorum
Nexus ruant singuli.

Ave, turma virginalis,
Agni tecta vellere,
Continentum, coniugalis
Claro casto fœdere,
Per vos vestis nuptialis
Mihi detur munere.

Ave, omnium sanctorum
Iucunda societas,
Ad superna me polorum
Vestra ducat pietas,
Ut vestrorum me bonorum
Repleat satietas.

Deutsch:

Gruß euch, die ihr drei Personen,
Eins doch in der Wesenheit,
Die ihr, ungeteilt im Geben,
alles Lebens Schöpfer seid,
Schenk auch mir der Tugend Gaben,
heilige Dreifaltigkeit.

Gruß dir, Christus, der du tilgend,
was das erste Meschenpaar
Sündigte, ein Mittler zwischen
Gott und Menschen immerdar,
Laß auch mich gerettet werden
Gleich der Auserwählten Schar.

Gruß dir, wunderbare Jungfrau,
selige Gebärerin,
Herrscherin im weiten Weltall,
dir verdank’ ich’s Königin,
Wenn entgangen ich den Bissen
der verruchten Schlange bin.

Gruß euch, heil’ge Engelscharen,
die ihr Gottes Antzlitz seht,
Die ihr selber vor den Blicken
aller Auserwählten steht,
sendet Gnade mir hernieder,
das ist’s, was mein Herz erfleht.

Gruß dir, Täufer, der erkoren,
daß er Jesum Christum tauf’,
Daß als Stimm’ er geh’ dem Worte
und als Bot’ dem Herrn vorauf,
Gib, daß kein unselig Ende
schließe meinen Lebenslauf

Gruß dir, seliger Apostel
zwölfgesaitet Harfenspiel,
Das auf Erden schon erstrebte
Aller Tugend höchste Ziel,
Daß durch dich mir Heil beschieden,
mich beim höchsten Gott empfiehl.

Gruß dir, Volk der heil’gen Seher,
das der Zukunft Künder war,
Gruß euch, würd’ge Patriarchen,
Frommer Sprossen Ahnenschar,
Schützt mich, Gnade mir erflehend,
vor des bösen Feinds Gefahr.

Gruß euch, die ihr einst des neuen
Bundes heil’ge Blätter schriebt
Samt der Schrift, die von den Taten
Der Apostel Kunde gibt,
Führt mich zu des Heilands Hürde,
zu den Lämmern , die er liebt.

Gruß euch, die ihr mit dem Purpur
Eures Bluts bekleidet seid,
Wie euch Kindern, die geblutet
In der Unschuld weißem Kleid,
Laßt mich gehn durch eure Fürbitt’
Ein zur ewgen Selikeit.

Gruß dir, Chor der heilgen Lehrer,
Wahrheitsspiegel rein und klar,
Gruß dir, Leit’rin aller Völker,
heilger Päpste hehre Schar,
Gebt, daß auch der Herr des Himmels,
Christus segne immerdar.

Gruß euch, heilige Bekenner,
aller Gläubgen Licht und Stern,
Gruß dir, Schar der heilgen Mönche,
der schon hier das Irdsche fern,
Bittet ihr bei Gott, so tilgt er
Jede Schuld des Süders gern.

Gruß dir, jungräulicher Reigen,
den bedeckt des Lammes Vließ,
Gruß euch, die in reiner Ehe
Nie der Keuscheit Schmuck verließ,
Laßt auch mich im Hochzeitskleide
Gehen ein ins Paradies!

Gruß dir, aller heilgen Seelen
Liebliche Genossenschaft,
Mich hinauf zum Sternenzelte
Trage eurer Tugend Kraft,
Wo das Glück, das ihr genießet,
ewiges Genügen schafft.

Deutsch von Lebrecht Dreves (1816 – 1870)

fontes

Guido Maria Dreves, Clemens Blume, Ein Jahrtausend Lateinischer Hymnendichtung. Erster Teil, S. 426f.
Guido Maria Dreves, Die Kirche der Lateiner in ihren Liedern. Kempten, München 1908, S. 183ff. und S. 114ff.

scholia / marginalia

De Omnibus Sanctis
Allerheiligen

Die österreichischen Dichter, der Cisterzienser Christian von Lilienfeld († vor 1332) und der Karthäuser Konrad von Gaming († 1360), zählen "zu den hervorragendsten des vierzehnten Jahrhunderts".

Von Konrad von Gaming (Conradus Gemnicensis), nach seinem Geburtsort auch Konrad von Haimburg (Conradus Haimburgensis) genannt, "besitzen wir nur außerlitugische Dichtungen, vorwiegend Marien- und Heiligen-Lieder. Dieselben sind in der Regel etwas länger ausgesponnen als die des Lilienfelder Mönchs (dies kaum zu ihrem Vorteil), teilen aber dessen kindliche, sympathische Frömmigkeit".

"Konrad von Gaming war in Deutschland ein vielgelesener Autor, weit mehr als sein Vorbild Christian von Lilienfeld, dessen Gedichte fast ausschließlich in Handschriften seines Stiftes, die er zum Teile selbst geschrieben hat, erhalten sind. Selbst Nachahmer Christians, fand Konrad daher andere, die sich durch ihn anregen ließen, in seiner Art zu dichten, wenngleich sie meist hinter ihrem Vorbilde zurückblieben."

Guido Maria Dreves, Die Kirche der Lateiner in ihren Liedern. Kempten, München 1908, S. 115 und S. 118

metrum

Sechszeilige Strophen mit dem Reimschema: ababab