De sancta Afra

Herimannus Contractus (* 18. Juli 1013 – † 21. September 1054)

Lateinisch:

Martyr sancta Dei, quæ flagrans igne fidei
Flammas sprevisti tortorum, victima Christi,
Qui fœdant mores, precibus restingue calores,
Crescat ut in nobis divini fervor amoris.

Deutsch:

Heilige Märtyrerin Gottes, die du, lodernd im Feuer des Glaubens,
die Flammen der Folterknechteverspottet, du Opferlamm Christi;
durch deine Gebete lösche die Gluten der Leidenschaft, welche die guten Sitten besudeln,
auf dass in uns wachse die leidenschaftliche Liebe zu Gott.

Deutsch von Adalbert Schulte

fontes

Analecta Hymnica 50
F. J. Mone, Lateinische Hymnen des Mittelalters, aus Handschriften herausgegeben und erklärt. Dritter Band. Heiligenlieder. Freiburg i.Br. 1855, S. 168 - 173

scholia / marginalia

Der Titel De sancta Afra wurde von den Herausgebern gesetzt.
Der Vierzeiler ist ein Responsorium aus dem Afra-Officium des Herimannus Contractus.

Um die Reimstellung im Versinnern deutlich zu machen, wurde der Vers gebrochen.

F.J. Mone gibt in seiner Sammlung mehrere Afra-Sequenzen; bei einer von ihnen (Augusta plaude nobilis) folgen am Ende der Sequenz die vier gereimten Hexamter als Abschluss. (F. J. Mone, Lateinische Hymnen des Mittelalters, aus Handschriften herausgegeben und erklärt. Dritter Band. Heiligenlieder. Freiburg i.Br. 1855, S. 168 - 173)

 

Die überlieferten Angaben zum Leben der heiligen Afra stammen aus der Welt der Legende.

"Eine Insel, genannt Cypern, die ist gelegen in dem östlichen Meer, und ist gar lustbar und reich an Wein und Korn und anderen Früchten. In der war vor Zeiten ein heidnischer König, edel von Geschlecht und mächtig an Ehr und Gut, der hätt von seiner Hausfrauen Hilaria ein einige Tochter, die hieß Affra. Der selbe König hätt versprochen, seinen Streit zu tun mit dem König aus einer andern Insel, in dem Streit ward er erschlagen und sein Volk sieglos.

Da hub sich seine Hausfrau Hilaria auf mit samt ihrer Tochter und all ihrem Geschlecht, Mannen und Weiben, und flohen gen Rom. Da kauften sie liegende Güter, wann sie hätt im Willen, ihr Lebtag da zu bleiben. Zu den Zeiten ehret man zu Rom viel Abgötter, u nter denen war ein Abgott, genannt Venus. Nun wöllt Hilaria sich die Götter gnädig machen, und opfert ihre Tochter Affra dem Abgott Venus und meinet, daß sie und ihr ganzes Geschlecht darvon söllten viel Glücks erlangen. Und dem Abgott Venus dienet man mit Unkeuschheit und unreinem Leben, also, je mehr eine Männer hätt, desto genehmer sie dem Abgott wurde. Nun geschah es, daß sie Gott bekehren wöllt, und sendet ihr eine Stimm bei Nacht, die sprach : 'Affra, stand auf, und gang in eine Stadt in deutschem Land, heißet Augsburg im Schwabenland. Dar söllst du werden eine künftige Königin.' Die Stimm höret sie zu drei malen, das saget sie ihrer Mutter. Des waren sie froh, und vermeinten, wieder zu königlichen Ehren zu kommen. Und verkauften all ihre Güter und fuhren ins deutsche Land gen Augsburg in das Ries. Da sie nun gen Augsburg kamen, da kauften sie wiederum liegende Güter, Dörfer und Höfe allenthalben um die Stadt Augsburg und hielten sich nach adeligen Sitten. Da wohnet Affra mit dreien Gespielen mit einander, aber Hilaria wohnet in einer sondern Herberg."

D. Heilige auf dem Scheiterhaufen(Der Heiligen Leben und Leiden, anders genannt das Passional. Zweiter Band: Sommerteil. Leipzig 1913, S. 299)

Während der diokletianischen Christenverfolgung kehrt Bischof Narzissus mit seinem Diakon Felix unwissend in das Haus der Afra ein. Das Tischgebet des Bischofs beim Nachtmahl, das Afra ihm vorsetzt, beeindruckt sie so sehr, dass sie sich von ihm bekehren lässt. Mit ihr werden auch ihre Mutter Hilaria und ihre Gespielinnen Digna, Eumenia und Euprepia getauft. Im Zuge der sich ausbreitenden Christenverfolgung wird Afra verleumdet und, wie sie sich weigert, den Göttern zu opfern, zum tode verurteilt und auf dem Lechfeld verbrannt. Als die Mutter und die drei Gespielinnen das Opfer ebenfalls verweigern, werden auch sie hingerichtet.

"Und also geschah es, daß an dem Tag, als Sankt Affra begraben ward, auch ihre Mutter und ihre drei Gespielen die Kron der Marterer empfangen haben."

Die erste Erwähnung der Afra findet sich in der Martin-Vita, des Venantius Fortunatus:

"... wenn es dir möglich ist, die wilden Flüsse zu überqueren, so dass du bequem über den Rhein und die Donau gelangst, kommst du nach Augsburg, wo die Wertach und der Lech fließen. Hier wirst du die Gebeine der heiligen Märtyrin Afra verehren."

(zitiert nach: Monika Prams-Rauner, Hymni de sancta Afra. Hymnen an die heilige Afra. Lateinisch und deutsch. Augsburg 2004, S. 7)

Die heilige Afra ist die Schutzpatronin der Stadt und des Bistums Augsburg. Ihr Fest wird am 7. August gefeiert. Angerufen wird sie von reuigen Freudenmädchen und Büßerinnen.

metrum

Versmaß: gereimte Hexameter (auf das erste Reimwort im innern des Verses reimt ein anderes am Versende):

Martyr sancta Dei, quæ flagrans igne fidei

Im vierten Hexameter allerdings kann nicht von eigentlichen Reimen gesprochen werden, es handelt sich da eher um eine Art "Assonanzen".