Prima creator saeculi

Beda Venerabilis (672 /673 – 735)

Lateinisch:

Prima creator sæculi
Die tenebras effugans
Aquis adhuc absconditum
Lampavit orbem lumine.
Lucis beata gaudiis
Mundi replevit incolas
Ætate mox altissimus
Prima creator sæculi

Locatur inter cærula
Die secunda maximus
Poli globus, divisaque est
Utrimque lympha labilis.
Primo secundæ tempore
Ætatis arca mystica
Hinc inde concurrentia
Locatur inter cærula.

Lucente sæcli tertia
Die fluens su æthere
Abyssus alta subsidet
Virensque paret arida.
Electra proles Abrahæ
De perfidorum fluctibus
Ætate florens claruit
Lucente sæcli tertia.

Quarta iubar sublimum
Die emicabat siderum,
Solo poloque fulgida
Lucis daturum gratiam.
Hebræa gens Davidico
Regno refulsit inclita
Ætate pandens actuum
Quarta iubar sublimum.

Novum genus progignitur
Quinta die de limpidis
Nascens aquis natantium
Volantiumque sub polo.
Ætate quinta in Chaldea
Pœnam luente Judea
Fidelium de perfidis
Novum genus progignitur.

Sexta creatus est homo
Die, creatoris sui
Imaginem qui præferens
Semper beatus viveret.
Summus creator omnium,
Per quem creatus est homo,
Ætate filius Dei
Sexta creatus est homo.

Post facta celsa conditor
Die quiescens septima
Eam vocari in sæcula
Et esse iussit sabbatum.
Ætas quietis septima
Bene defunctos excipit,
Qua sabbatizat sum suis
Post facta celsa conditor.

Deutsch:

Der Schöpfer, der das All gemacht,
Am ersten Tag hat er die Nacht
Vertrieben und das Licht erweckt
Der Welt, die noch das Wasser deckt.
Im ersten Weltenalter hat
Mit seinem Lichte voller Gnad’
Die Erdbewohner hold bedacht
Der Schöpfer, der das All gemacht.

Gestellt ward ob den Wassern all’
Am zweiten Tag des Himmels Wall,
Auf daß der Erde Flur getrennt
Vom Wasser sei am Frimament.
Im zweiten Weltenalter barg
So Mensch als Tier sich in der Arch’,
Die schützend vor der Fluten Schwall
Gestellt ward ob den Wassern all’.

Zum drittenmal herabgesandt
Ein Tag ward, der das feste Land
Vom Wasser schied und Gras und Baum
Entsprießen ließ dem trock’nen Raum.
Es blüht, was Abraham entsproß,
Da Glut verschlang des Falschen Troß,
Als ein Weltalter Gottes Hand
Zum drittenmal herabgesandt.

Hernieder kam zu viertenmal
Ein Tag, als der Gestirne Zahl
Gott schuf, des Lichtes Gnadenschein
So Erd’ als Himmel zu verleih’n.
Auch der Hebräer Volk beschien
Ein Licht, das David ihm verlieh’n
Als eines Weltenalters Strahl
Herniederkam zum viertenmal.

Ein neu Geschlecht entstiegen ist
Der Flut zur fünften Tagesfrist,
Das hier als Fisch das Meer belebt,
Als Vogel dort gen Himmel strebt.
Das fünfte Weltenalter fand
Judäa im Chaldäerland,
Allwo dem Volk vor Trug und List
Ein neu Geschlecht entstiegen ist.

Der Mensch, das Werk von Gottes Hand,
Am sechsten Schöpfungstag entstand,
Der, Gottes Bild, ohn’ sein Vergehn
Nie Mühsal hätt’ und Tod gesehn.
Das sechste Weltenalter bracht’
Zur Erde den, der sie gemacht,
Des Höchsten Sohn, herabgesandt
Als Mensch zum Werk von Gottes Hand.

Der ewge Schöpfer, auszuruhn,
Vom Schaffen, das beendet nun,
Hat drauf den siebten Tag bestellt
Zum Sabbat sich und aller Welt.
Im Himmel, wenn nach dieser Frist
Das siebte Alter kommen ist,
Vergönn auch uns von allem Tun
Der ewge Schöpfer, auszuruhn.

Deutsch von Lebrecht Dreves (1816 – 1870)/p>

fontes

Guido Maria Dreves, Clemens Blume, Ein Jahrtausend Lateinischer Hymnendichtung. Erster Teil, S. 50f.

Guido Maria Dreves, Die Kirche der Lateiner in ihren Liedern. Kempten, München 1908, S. 39ff. und S. 147f.

scholia / marginalia

De Operibus VI Dierum et de VI Ætatibus
Über das Sechstagewerk und die sechs Zeitalter

Lebrecht Dreves (1816 – 1870) übersetzt nur eine Auswahl von Strophen aus diesem umfangreichen Hymnus.

metrum

Der Hymnus besteht aus achtzeiligen Strophen, in jeder sind der erste und der letzte Vers identisch.