O gloriosa virginum

Venantius Fortunatus ( um 600)

Lateinisch:

O gloriosa virginum,
Sublimis inter sidera,
Qui te creavit, parvulum
Lactente nutris ubere.

Quod Heva tristis abstulit,
Tu reddis almo germine;
Intrent ut astra flebiles,
Cæli recludis cardines.

Tu, Regis alti ianua
Et aula lucis fulgida:
Vitam datam per Virginem
Gentes redemptæ, plaudite.

Iesu, tibi sit gloria,
Qui natus es de Virgine,
Cum Patre et almo Spiritu
In sempiterna sæcula. Amen

Deutsch:

O ruhmwürdigste der Jungfrauen,
Erhabenste unter den Himmlischen,
der dich erschaffen, den stillst du
als Kind an deiner Mutterbrust.

Was die unglückliche Eva geraubt, das stellst
du her durch deinen erhabenen Sohn. Damit
die Beklagenswerten in das Sternenzelt eingehen
können, öffnest du wieder die Tore des Himmels.

Du, das Tor des höchsten Königs,
strahlender Vorhof des Lichtes;
das durch die Jungfrau geschenkte Leben
besinget ihr erlösten Völker.

O Jesus, der du geboren wurdest von der
Jungfrau, dir sei Ruhm
mit dem Vater und dem heiligen Geiste
in alle Ewigkeit . Amen

Deutsch von Adalbert Schulte

fontes

Breviarium Romanum

Adalbert Schulte, Die Hymnen des Breviers, S. 122ff.

scholia / marginalia

Die 31 Maii Beatae Mariae Virginis Reginae. Ad Laudes. Die 8 Dec. In Conceptione immaculatae Beatae Maria Virginis. Ad Laudes.

Am Fest der Seligen Jungfrau Maria, Königin des Himmels. Am Fest der Unbefleckten Empfängis der allerseligsten Jungfrau Maria zu den Laudes.

 

Dieser Hymnus ist dem umfangreicheren "Hymnus Beatae Mariae" des Venantius Fortunatus entnommen, und zwar wurden dem ursprünglichen Marienhymnus die sechste, siebte und achte Strophe entnommen, wobei der ursprüngliche Wortlaut der sechsten und siebten Strophe verändert wurde. Für den liturgischen Gebrauch wurde ferner eine formelhafte Schlussstrophe (Doxologie) angefügt.

Die vollständige Hymne des Venatius Fortunatus lautet folgendermaßen:

Quem terra, pontus, æthera
Colunt, adorant, prædicant,
Trinam regentem machinam
Claustrum Mariæ baiulat.

Cui luna, sol et omnia
Deserviunt per tempora,
Perfusa cæli gratia
Gestant puellæ viscera.

Mirantur ergo sæcula,
Quod angelus fert semina,
Quod aure virgo concepit
Et corde credens parturit.

Beata mater munere,
Cuius supernus artifex
Mundum pugillo continens
Ventris su arca clausus est.

Benedicta caeli nuntio,
Fecunda sancto spiritu,
Desideratus gentibus
Cuius per alvum fusus est.

O gloriosa femina,
Excelsa super sidera,
Qui te creavit provide
Lactas sacrato ubere.

Quod Eva tristis abstulit,
Tu reddis almo germine,
Intrent ut astra flebiles,
Cæli fenestra facta es.

Tu regis alti ianua
Et porta lucis fulgida;
Vitam datam per virginem,
Gentes redemptae, plaudite.

(Guido Maria Dreves, Clemens Blume, Ein Jahrtausend Lateinischer Hymnendichtung, I, S. 41)

Aus diesem Hymnus ist für das Brevier ein weiterer gebildet worden, und zwar Quem terra, pontus, sidera; er wurde aus der ersten, zweiten, vierten und fünften Strophe gebildet, wobei das letzte Wort des ersten Verses in der ersten Strophe zu sidera verändert wurde. Für den liturgischen Gebrauch wurde diesem neuen Hymnus ferner eine formelhafte Schlussstrophe (Doxologie) angefügt.

 

metrum

Versmaß: ambrosianisch (metrum ambrosianum), akatalektische  iambische Dimeter, anstelle der Iamben können an erster und dritter   Stelle auch Spondäen und Anapäste stehen (vgl. Aldalbert Schulte, Die Hymnen des Breviers, S. 9f.).