O clavis David

(In Anlehnung an Jes. 22, 22)

Lateinisch:

O Clavis David
Et sceptrum domus Israel;
qui aperis, et nemo claudit;
claudis, et nemo aperit;
veni et educ vinctum de domo carceris,
sedentem in tenebris et umbra mortis

Deutsch:

O Schlüssel Davids,
Szepter des Hauses Israel,
du öffnest, und niemand schließt,
du schließt, und niemand öffnet;
komm und führe den Gefangenen aus dem Kerker, der in Finsternissen und Todesschatten sitzt.

fontes

Breviarium Romanum

scholia / marginalia

Die 19 Dec. - Ad vesperas
Am 19. Dezember - Zu den Vespern

Das griechische Wort Antiphon bedeutet Gegen- oder Wechselgesang. Als Antiphon wird im Stundengebet ein Vor- oder Kehrvers bezeichnet, der vor und nach dem Psalm angestimmt wird, als Wechselgesang zwischen Vorsänger und Schola oder zwischen zwei Chören.

Die Antiphonen sind Bestandteil des Propriums und wechseln im Verlauf des Kirchenjahrs oder bei Tagesfesten. Die Antiphonen bilden ein kommentierendes und vertiefendes Element der Liturgie.

Der Text der Antiphon ist dem Psalm entnommen, den er einrahmt, oder der Tagesliturgie. Die Antiphonen rahmen aber nicht allein die Psalmenverse des Stundengebetes, in der Messfeier begleiten sie auch Introitus, Offertorium und Communio. Dabei wurde der umrahmte Psalm verkürzt, oder er konnte ganz verschwinden.

So kam es, dass auch selbständige „Chorstücke“ wie die Marianischen Antiphonen (Salve Regina, Alma Redeptoris mater, Ave Regina caelorum, Regina caeli) als Antiphonen bezeichnet wurden.

Die O-Antiphonen sind im Stundengebet (Vesper) dem Magnificat zugeordnet, weshalb sie auch als Magnificat-Antiphonen bezeichnet werden.

In der Zeit des Mittelalters wurde in gewissen Brevieren weitere O-Antiphonen hinzugefügt. So etwa:

O Gabriel, nuntius caelorum qui ianuis clausis ad me intrasti et verbum nuntiasti: concipies et paries emmanuel vocabitur.

O Gabriel, Bote des Himmels, der du durch verschlossene Pforten zu mir eingetreten und die Botschaft verkündet hast: du wirst empfangen und gebären, den der emmanuel genannt wird.

*

O Thoma Didyme, per Christum quem meruisti tangere te precibus rogamus altisonis, succurre nobis miseris, ne damnemur cum impiis in adventu iudicis.

O Thomas, Zwillingsbruder, durch Christus, den du berühren durftest, bitten wir dich laut, komm uns Armen zu Hilfe, dass wir nicht verdammt werden mit den Gottlosen bei der Ankunft des Richters.

*

O rex pacifice, tu ante saecula nate per auream egredere portam redemptos tuos visita et eos illuc revoca unde ruerunt per culpam.

O König, Friedenstifter, du vor aller Zeit geborener tritt heraus durch die goldene Tür, besuche deine Erlösten und rufe jene von dorther zurück wohin sie stürzten durch Schuld.

*

O mundi domina regio ex semine orta ex tuo iam Christus processit alvo tamquam sponsus de thalamo hic iacet in praesaepio qui et sidera regit.

O Herrin der Welt, aus königlichem Samen hervorgegangen, aus deinem Mutterleib geht jetzt Christus hervor; so wie der Bräutigam aus dem Brautgemach, liegt hier in der Krippe, der der auch die Gestirne lenkt.

*

O Hierusalem civitas dei summi leva in circuitu oculos tuos et vide dominum deum tuum quia iam veniet volvere te a vinculis.

O Jerusalem, Stadt des höchsten Gottes, erhebe ringsum deine Augen und siehe Gott deinen Herrn, der bald kommen wird, um dich von den Fesseln zu befreien.

Vertonungen

Marc-Antoine Charpentier, Les Antiennes „O“ de l’Avent (harmonia mundi)
Arvo Pärt, 7 Magnificat-Antiphonen (deutsch gesungen) (Collins Classics)
Marianische Antiphonen. Gregorianik. Serie A: Aus dem Offizium. Antiphonae finales B.M.V. Chor der Mönche der Erzabtei Beuron, Pater Dr. Maurus Pfaff. Archiv Produktion (Deutsche Grammophon) – Referenzaufnahme.

 

 

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