Stabat mater - Die Sieben Schmerzen Mariä

Das „Stabat mater“ des Iacobus de Benedictis
Dazu eine Kreuzigungsszene aus dem „Missale Monasticum“ aus dem Erfurter Peterskloster, entstanden im 12. Jahrhundert

 

Diese Kreuzigungszene vereint zwei Motive, die nur selten auf diese Weise zusammengefasst dargestellt werden: Links unter dem Kreuz die schmerzensreiche Mutter in den Armen ihres Adoptivsohnes und neuen Familienoberhauptes Johannes, rechts das Hinrichtungskommando in einer zeitraffenden Darstellung, die bereits das später oft für sich genommene Motiv der „Instrumenta Passionis“ vorwegnimmt: Longinus mit der Lanze, dazu ein anderer Henkersknecht mit dem Essig-Schwamm auf dem Rohr und stark stilisiert weitere beim Einschlagen der Nägel, das zum Zeitpunkt des Todes doch schon seit Stunden vergangen war. Dahinter der Hauptmann mit der Aussage: „Wahrlich, dieser war der Sohn Gottes“. (Markus 15,39) Das Bild kann in dieser Form als eine Vorstufe der im Spätmittelalter populären Darstellungen der „Sieben Schmerzen Mariens“ gelesen werden, die auch ohne im einzelnen aufgezählt zu sein den Gegenstand des „Stabat mater“ bilden.

Bemerkenswert noch die oberen Ecken mit zwei Typoi Christi aus dem Alten Testament: Links oben Moses mit dem heilenden Stab der eisernen Schlange, in dem das Kreuz vorweggenommen ist, und rechts Abraham mit dem unschuldigen Opfer Isaak, der im letzten Moment durch das Dazwischentreten des Engels gerettet wird.


Die Abbildung entnehmen wir dem Katalog „Bibliotheka Apostolica Vaticana - Liturgie und Andacht im Mittelalter“, Köln 1992, S. 201