Geschrieben von: René Strasser Juli 2026
Auch hier wurden Hymnen und Psalmen gesungen:
Die Basilika von Vézelay und Eugène Viollet-le-Duc –
Bilder und Impressionen
Seit dem frühen Mittelalter wurden in Vézelay Reliquien von Maria Magdalena aufbewahrt. Diese wurden vermutlich im neunten Jahrhundert von ihrem ursprünglichen Grab in Saint-Maximin-la-Sainte-Baume in der Provence nach Vézelay überführt, um sie vor den Einfällen der Sarazenen in Sicherheit zu bringen.
Im Jahre 1058 bestätigte Papst Stephan IX. den Besitz der Reliquien des Klosters in Vézelay. In der Folge wurde die Abtei im Mittelalter zu einem der bedeutendsten Wallfahrtsorte Europas und zu einem wichtigen Ausgangspunkt für den Jakobsweg.
Hier rief Bernhard von Clairvaux (1090 - 1153) im Jahre 1146 zum zweiten Kreuzzug (1147 - 1149) auf.
Hier predigte Thomas von Canterbury (Thomas Becket) in der Zeit seines Exils in Frankreich am 12. Juni 1166, sprach die Exkommunikation mehrerer englischer Bischöfe (Gilbert Foliot, Josceline de Bohon) und Berater des Königs (Richard de Luci, Geoffrey Ridel, John of Oxford, Richard of Ilchester, Robert de Lacy) aus und drohte König Heinrich II. offen mit dem Kirchenbann.
Hier trafen sich 1190 zu Beginn des dritten Kreuzzuges König Philipp II. und Richard Löwenherz.
Hier gründete Franz von Assisi im Jahre 1217 das erste Franziskanerkloster in Frankreich.
Als jedoch 1279 bei Grabungen in Saint-Maximin-la-Sainte-Baume, die Karl II. von Anjou veranlasst hatte, die echten Reliquien gefunden wurden, war der Anspruch Vézelays in Frage gestellt.
Und als Papst Bonifaz VIII. schließlich im Jahr 1295 den Streit zugunsten von Saint-Maximin-la-Sainte-Baume entschied, verlor Vézelay an Bedeutung, und die Pilgerströme blieben aus, was zum Niedergang der Abtei und des Ortes führte.
Im 16. Jahrhundert wurde die Abtei während der Hugenottenkriege geplündert, und die Zerstörungen während der Französischen Revolution haben die Bausubstanz der Abtei schwerwiegend beschädigt; danach wurden Klostergebäude verkauft und abgerissen.
Im frühen 19. Jahrhundert schließlich war die Kirche vom Einsturz bedroht und dem Verfall anheimgegeben.
Im Jahre 1840 erteilte Prosper Mérimée, inspecteur général des monuments historiques, Eugène Viollet-le-Duc den Auftrag zur Restauration der Basilika von Vézelay.
Viollet-le-Duc sicherte die Bausubstanz, erneuerte eingestürzte Gewölbe, gestaltete die Westfront neu, deren Skulpturen in der französischen Revolution zerstört worden waren, entfernte spätmittelalterliche, fremde Bauelemente, Skulpturen wurden restauriert, ergänzt oder neu geschaffen; alle diese Vorkehrungen wurden im Sinne einer "restauration créative" ergriffen, die den "ursprünglichen" Zustand des Gebäudes wieder herstellen sollten.
Die Wiederherstellung der Basilika Sainte-Marie-Madeleine in Vézelay in einen als ursprünglich verstandenen, spätromanischen Zustand durch Viollet-le-Duc hat, vor allem in späterer Zeit, nicht nur Zustimmung gefunden.
Aber unterdessen sind die im Sinne einer "restauration créative" vorgenommenen Maßnahmen zur Rettung der Basilika Geschichte. So wie auch andere Restaurationen und Wiederherstelungen des neunzehnten Jahrhunderts, von Laokoon bis zur Basilika in Vézelay, mittlerweile ein Kapitel der Kunst- und Architekturgeschichte sind, das es, gerade wenn man sich auf "historische Authentizität" berufen will, zu verstehen und zu respektieren gilt.
Die Diskussionen um dieses Thema dauern im zwanzigsten und einundzwanzigsten Jahrhundert an. Das zeigen etwa die Kontroversen um den Wiederaufbau der Frauenkirche in Dresden, um die originalgetreu rekonstruierte barocke Fassade des Stadtschlosses von Andreas Schlüter in Berlin und der Wiederaufbau von Notre-Dame in Paris nach dem verheerenden Brand (2019).
Geradezu groteske Formen nahmen die Auseinandersetzungen um den Cranach-Triegel-Altar in Naumburg an. Lucas Cranach d.Ä. schuf 1519 ein dreiflügeliges Altarbild für den Westchor des Naumburger Doms. Der Mittelteil wurde 1541 während der Reformation zerstört. 2022 wurde der Altar, nachdem Michael Triegel den Mittelteil neu geschaffen hatte, an seinem ursprünglichen Standort wieder aufgestellt. Darauf verlangte die UNESCO die Entfernung des Altars, da er die Sichtachsen auf die berühmten Stifterfiguren beeinträchtige und ... Die kirchlichen Stellen verwiesen dagegen auf die Charta von Venedig, die die Rückführung von Kunstwerken an ihren ursprünglichen Standort befürworte, erfolglos. Die UNESCO und der Fachbeirat ICOMOS blieben 2025 bei ihrer ablehnenden Haltung.
So erweist sich auch in diesem Zusammenhang, die Charta von Venedig von 1964 (internationale Richtlinien der Denkmalpflege) als ein dem Wunschdenken entsprungenes Konstrukt, ein Phantom, auch sie letztlich ein Zeugnis eines Zeitgeistes.
Sehr hübsch in diesem Zusammenhang ist der Hinweis von Laurent Ridel. Auf die Rekonstruktion der flêche (Vierungsturm, Vierungsdachreiter) beim Wiederaufbau der Notre-Dame, die im 19. Jahrhundert von Viollet-le-Duc errichtet wurde, geht Laurent Ridel in seinem Beitrag "Viollet-le-Duc, le sauveur controversé des monuments français" (https://decoder-eglises-chateaux.fr/viollet-le-duc-sauveur-controverse-monuments-francais/) ein, in dem er Artikel 9 und 11 aus der Charta von Venedig zitiert.
"Ironiquement, ce sont ces deux articles qui devraient assurer la reconstruction à l'identique de la flèche coiffant Notre-Dame de Paris et consumée dans l'incendie de 2019. Car, d'une part, cette flèche est un apport valable du XIXe siècle; d'autre part, elle est suffisamment connue par des plans et des photos pour que les restaurateurs puissent la reproduire fidèlement sans verser dans l'hypothèse. La charte de Venise, qui condamne les méthodes de Viollet-le-Duc, sauvera son œuvre."
Man kann zur denkmalpflegerischen Leistung von Eugène Viollet-le-Duc stehen, wie man will; er hat sich um die Rettung der Basilika Sainte-Marie-Madeleine verdient gemacht, er ist der Retter von Vézelay.
Das Ergebnis seiner Maßnahmen ist beeindruckend und überzeugend. Das Äußere der Basilika zeigt ein einheitliches Erscheinungsbild, das Innere vermittelt ein Raumgefühl, das als harmonisch empfunden wird. Das wuchtige Kirchenschiff führt hin zur Lichtfülle des frühgotischen Chors.
Die Tympana sind ein Höhepunkt der romanischen Plastik, die Skulpturen und der kunstvolle Figurenschmuck der Kapitelle wecken höchste Bewunderung für die künstlerische Arbeit der Steinmetzen.
"Wenn man ein jedes dieser Kapitelle studiert, wenn man das Vorrecht genießt, ein Bildwerk nicht nur
liebkosen zu dürfen, sondern unter der Anleitung eines so wohlunterrichteten Führers wie des Herrn Dekan
Despiney darin einzudringen, die Finger hineinzulegen, dann steht man verwundert vor dem Auge, dem Geist
und dem Schalk, wenn ich so in gutem Sinne sagen darf, dieser romanischen Künstler, und besonders vor
der Wachheit des dramatischen Sinns für Bewegung und Haltung, ihres lyrischen und psychologischen
Genies. (...) Zwar wird die Anatomie (bei den Klassikern oft so konventionell) mit Vorbedacht
vernachlässigt – aber welche Genialität im Ausdruck! Hier bewegen sich nicht Körper, sondern die
Bewegung schafft den Körper. Diese Krümmung eines Hunderückgrats sitzt, und die Gipskugeln, die Viollet
le Duc in guter Absicht hinzugefügt hat, sind ohne Belang. (...) Hochwürden Despiney macht mich darauf
aufmerksam, wie häufig in dieser Kirche, die dem Andenken der Büßerin geweiht ist, die Bilder des
geistigen Kampfes sind, und zum Beispiel auf jenes von Samson oder von David, der den Rachen des Löwen
öffnet, des 'reißenden Löwen', von dem der heilige Petrus spricht. (...) Aber es gibt auch weniger
düstere Bilder, zum Beispiel jenes des heiligen Benedikt, der einen Toten erweckt. Nichts von der
herrscherlichen und ein bißchen theatralischen Gebärde Jesu auf Rembrandts Radierung. Der Heilige neigt
über den Leichnam vertraulich ein gutes, rundes Gesicht. (...) Was mich aber am meisten fesselt, sind
die komplexen Bewegungen. Hier zum Beispiel, Lot, dem die Engel raten, Sodom zu verlassen (oder sagen
wir seine Sünde). Er hört sie an, er möchte schon, er dreht ihnen den Kopf zu, er kratzt sich den Bart.
Aber neben sich hat er seine Frau stehen, die ihn zurückhält, und sein ganzer Leib ist ihr zugewandt.
Sein Leib, ja; aber beachten Sie diesen Fuß, der sich insgeheim abkehrt!"
Paul Claudel, Eine Pilgerfahrt nach Vézelay (25. April 1940)
(Paul Claudel, Länder und Welten. Gesammelte Werke, Band IV. Einsiedeln, Zürich, Köln, Benziger Verlag,
1960, S. 38ff.)
Es ist Eugène Viollet-le-Duc in Vézelay gelungen, seine Théorie von der "restauration créative" umzusetzen und seine Vision von einer romanischen Kirche Gestalt werden zu lassen.
"Restaurer un édifice, ce n'est pas l'entretenir, le réparer ou le refaire, c'est le rétablir dans un état complet qui peut n'avoir jamais existé à un moment donné." (Viollet-le-Duc, Dictionnaire raisonné de l'architecture française du XIe au XVIe siècle. Paris, A. Morel, 1854 - 1868)
Der Besucher genießt, unberührt von den akademischen Diskussionen der Denkmalpfleger, ein architektonisches Gesamtkunstwerk.
Dank Eugène Viollet-le-Duc thront statt einer gepflegten und gut unterhaltenen Kirchenruine mit vielen erläuternden und gut gemeinten Schrifttafeln, wie es uns heute vermutlich die Befolgung der Charta von Venedig (1964) bescheren würde, auf der colline éternelle, auf der colline sacrée ein weithin sichtbares, monumentales Juwel, die Basilika Sainte-Marie-Madeleine.
Die Basilika von Vézelay zählt seit 1979 zum Weltkulturerbe.
* * *
Vézelay ist ein wichtiger spiritueller und historischer Ort von großer Ausstrahlungs- und Anziehungskraft. Er ist nicht nur Wallfahrtsort und Touristenziel und wichtige Station auf dem Pilgerweg nach Santiago de Compostela, er faszinierte auch immer wieder bedeutende Künstler.
Paul Claudel war besonders beeindruckt von der Plastik des Verkündigungsengels am Narthex der Basilika, der von anderen Betrachtern auch als „Engel des Jüngsten Gerichts“ bezeichnet wird:
"Der ist nicht wie sein Kamerad an der andern Türecke! Dieser geht mit ganzem Herzen drauflos! Vorwärts!
Das Knie bis zur Mitte des Körpers gehoben, beide Arme emporgereckt, die Schwingen wie zurückgerissen,
und dieses Hifthorn, das ihm an der Seite hängt, man hört, wie es eine Art Gebrüll ausstößt! Das ist der
Ruf, das Röhren der frohen Botschaft, die sich Luft macht! – Jenem fehlt es zwar nicht an Schwung, und
dieses kraftvolle Vorschnellen des linken Beins! Aber das rechte bremst. Er schreitet aus und hält
zugleich an, den Schild um den Hals. Er mißt mit dem Auge das Land, das ihm gegeben ist. Er ist ganz und
gar nur eine Art Windstoß und Hurrah! –" Paul Claudel, Eine Pilgerfahrt nach Vézelay (25. April 1940)
(Paul Claudel, Länder und Welten. Gesammelte Werke, Band IV. Einsiedeln, Zürich, Köln, Benziger Verlag,
1960, S. 40ff.)
Einige weitere Stimmen aus der Literatur:
"La petite ville de Vézelay est batie sur un rocher calcaire qui s'élève abruptement au mileu d'une vallée profonde resserée par des collines disposées en amphithéâtre. On découvre d'assez loin les maisons semées sur une pente rapide, qu'on prendrait pour les degrés d'un escalier, des restes de fortifications en terrasse, et surtout l'église, qui, placée sur le point culminant de la montagne, domine les environs. – Je venais de traverser des bois bien plantés, par une route commode, au milieu d'une nature sauvage, que l'on admire sans être distrait par les cahots. Le soleil se levait, percé çà et là par les cimes des arbres. Au-dessus apparaissait la ville comme une pyramide resplendissante de lumière. Par intervalles, le vent traçait de longues trouées au milieu des vapeurs, et donnait lieu à mille accidents de lumière, tels que le paysagites anglais en inventent avec tant de bonheur. Le spectacle était magnifique, et ce fut avec une prédisposition à l'admiration que je me dirigeai vers l'église de la Madeleine." Prosper Mérimée, Notes d'un voyage dans le Midi de la France. Paris 1835 (zit. nach Maurice Druon, Vézelay, colline éternelle. Paris 1968, S. 137 et suiv.)
"Arrivé à Avallon vers onze heures, visité Avallon, pris une voiture et au bout de trois heures de voiture arrivé à Vézelay mais dans un état fantastique. Vézelay est une chose prodigieuse, dans une espèce de Suisse, toute seule sur une montagne qui domine les autres, visible de partout à des lieues, dans l’harmonie du paysage la plus saisissante. L'église est immense et ressemble autant à des bains turcs qu'à Notre-Dame, bâtie en pierres alternativement noires et blanches, délicieuse mosquée chrétienne." Marcel Proust, lettre à Georges de Lauris, Splendide Hôtel, Evian-les-Bains vers le 8 ou 9 septembre 1903 (Marcel Proust, Correspondance. Text établi, présenté et annoté par Philip Kolb, Tome III, 1902 – 1903. Paris, Librairie Plon, 1976, p. 419)
"Nous allons, ma femme et moi, nous installer, l'été prochain, dans une petite propriété que j'ai
achetée en France, à Vézelay, dans l'Yonne. Je ne sais si vous avez passé, au cours de votre voyage en
Bourgogne sur cette colline sacrée pour tout Français. Elle s'élève à la lisière du Morvan, tout près de
Brèves – le pays de Colas Breugnon. Une magnifique basilique romano-gothique la couronne. Sur
l'esplanade qui l'entoure, St Bernard prêcha la deuxième croisade. Philippe-Auguste et Richard Cœur de
Lion y sont venus. Tout le pays est imprégné des souvenirs de l'antique France des Capétiens, et – plus
loin encore dans l'histoire – de la Gaule et de César. La petite ville déchue a conservé encore son
caractère et ses maisons du XIIe au XVe siècle. Mais, sur le flanc du midi, d'où se découvre un vaste
panorama de collines bleues, de forèts et de labours, on a rebâti, dans la ceinture des vieux murs,
quelques maisons confortables, qui ne rompent pas le style de l'ensemble. J'ai acheté l'une d'elles, qui
est petite, mais jolie, bien exposée, avec un beau jardin assez grand, descendant par terrasses étagées
la pente de la colline."
Romain Rolland, lettre à Toshihiko Katayama, le 8 décembre 1937
(Romain Rolland, Un beau visage à tous sens, Cahiers Romain Rolland 17. Choix de lettres de Romain
Rolland (1886 - 1944. Préface de André Chamson. Texte établi par Marie Romain Rolland. Paris, Éditions
Albin Michel, 1967, p. 353 et suiv.)
"Je suis toujours pénétré de la beauté de cette terrasse, de cette ville, du moindre tourant de rue qui se profile sur le ciel: c'est un des rares endroits de France où l'homme ait pu, comme en Italie, composer une œuvre d'art en harmonie avec la nature." Romain Rolland, lettre à sa sœur Madeleine, 25 août 1938 (zit. nach Romain Rolland, Journal de Vézelay 1938 -1944. Paris, Bartillat, 2012, p. 13)
"Voyageurs de tous les horizons qui avez écrit ce nom, Vézelay, sur vos itinéraires; couples amoureux, couples de noces qui avez marqué cet espoir, Vézelay, parmi les étapes du bonheur; enfants à qui l'on a fait cette promesse, Vézelay, et qui vous souviendrez; visiteurs, épris de revoir ce lieu d'exception, Vézelay, ainsi qu'on rouvre un livre cher, un poème essentiel; vous tous pélerins du savoir, de l'art ou de la foi, voici l'instant où le souhait, l'attente et la mémoire s'unissent au réel." (…)
"Maçons et charpentiers, couvreurs, tailleurs de pierre,
Qui sous Viollet-le-Duc, sous Viollet le sauveur
Refirent Vézelay en sa splendeur première,
Ont fini dans ce clos leurs destins d'artisans." (...)
"Autour de toi, visiteur, l'architecte inconnu, le sculpteur anonyme ont disposé au sommet de chaque colonne des scènes familières, des hommes, des femmes, des grappes de raisin, des tentations, des supplices, de saints en prière. Le sculpteur anonyme, l'architecte inconnu ont placé ces chapiteaux un peu plus haut que tes yeux, pour t'inviter à élever ton regard." Maurice Druon, Vézelay, colline éternelle. Paris 1968, p. 9, 37, 42
Während der Jahre der Okkupation war Vézelay für zahlreiche Künstler und Intellektuelle Rückzugs- und Zufluchtsort. Zu ihnen gehörten auch Paul Éluard (1895 - 1952) und René Char (1907 - 1988), die sich zeitweilig in Vézelay aufhielten und sich der Résistance anschlossen. René Char unter dem Decknamen "Capitaine Alexandre".
In diesen Jahren hatte auch der deutsch-jüdische Fotograf Erwin Blumenfeld (1897 - 1969) in Vézelay Zuflucht gesucht, wo er verhaftet und ins Lager von Marmagne verbracht wurde.
"Bei unserer Ankunft in Vézelay versetzte uns der mittelalterliche Duft von Holzfeuern in Trance. Welche
Lust, in diesem Märchennest leben zu dürfen. Résidence forcée im Paradies. Großartiges Hotel de la Poste
et du Lion d'Or. Nie habe ich schmackhaftere Escargots gegessen. Wir genossen. Erst den dampfenden
Herbst in der Schönheit Burgunds mit mystischen Nebeln über Weinbergen, dann den schneeweißen stillen
Winter, danach das Knospenwunder des Frühlings. Jeden Morgen, jeden Abend liefen wir mit demselben
Entzücken an der alten Stadtmauer entlang um das Städtchen, von dem aus Gottfried von Bouillon
kreuzgezogen ist; von allen Seiten bestaunten wir die geliebte Basilique de la Madeleine. Einmal
wöchentlich hatte ich mich in der Gendarmerie zu melden, was anschließend an mein morgendliches
Zeitungsholen harmlos war. Romain Rolland und Le Corbusier hatten's auch zu tun."
Erwin Blumenfeld,
Einbildungsroman, Frankfurt a.M., Eichborn Verlag,1998, S. 336
Neben Romain Rolland und Georges Bataille wohnte auch der berühmte Dirigent und Komponist Désiré-Émile
Inghelbrecht (1880 - 1965) längere Zeit in Vézelay. Er war der Gründer des Orchestre National de France
und komponierte die symphonische Dichtung "Vézelay" (En route, midi sur la colline; Légende des pierres;
Nocturne; Croisades et combats; La demeure heureuse), eine Hommage an den berühmten Ort.
Désiré-Émile Inghelbrecht liegt wie Georges Bataille, Maurice Clavel und Jules Roy in Vézelay begraben.
Literatur
Erwin Blumenfeld, Einbildungsroman, Frankfurt a.M., Eichborn Verlag, 1998
Erwin Blumenfeld, Jadis et Daguerre. Paris, Éditions Robert Laffont, 1975 (Erstausgabe)
Donat de Chapeaurouge, Einführung in die Geschichte der christlichen Symbole. Darmstadt, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1987
Paul Claudel, Länder und Welten. Gesammelte Werke, Band IV. Einsiedeln, Zürich, Köln, Benziger Verlag, 1960
Le Monde de Vézelay. Poèmes de Paul Claudel. Pierre-Qui-Vire, Zodiaque, 1967
Die Welt von Vézelay. Gedichte von Paul Claudel. Würzburg, Echter Verlag, 1972
Das Cranach-Triegel-Marien-Retabel aus Naumburg im Campo Santo Teutonico in Rom. Regensburg, Verlag Schnell & Steiner, 2025
Hugues Delautre, Jacqueline Gréal, La Madeleine de Vézelay, Führer und Pläne. Lyon, Éditions Franciscaines, 1983
Maurice Druon, Vézelay, colline éternelle, suivi d'une anthologie. Paris, Union Générale d'Éditions, 1968
Jacques Duchaussoy, Le bestiaire divin ou la symbolique des animaux. Paris, Le courier du livre, 1972
Umberto Eco, Kunst und Schönheit im Mittelalter. München, Wien, Hanser, 1991
Kunde, Holger; Ludwig, Matthias (2023). "Der Marienaltar im Westchor des Naumburger Domes und seine Altarflügel von Lucas Cranach dem Älteren. Eine kritische Quellenstudie". Im Netz hier.
Gerd Heinz-Mohr, Lexikon der Symbole. Bilder und Zeichen der christlichen Kunst. Köln: Eugen Diederichs Verlag, 1971, 1984
Claude Jean-Nesmy (d.i. Claude Surchamp), Vézelay, ein Höhepunkt der Romanik. Würzburg, Echter Verlag, 1983
Emile Mâle, Die kirchliche Kunst des XIII. Jahrhunderts in Frankreich. Studie über die Ikonographie des Mittelalters und ihre Quellen. Deutsch von L. Zuckermandel. Strassburg, J.H.Ed. Heitz, 1907
Carl de Nys, D. E. Inghelbrecht, Requiem & Vézelay (2022) https://www.andrecharlin.com/en/blog/d-e-inghelbrecht-requiem-vézelay
Erwin Panofsky, Gotische Architektur und Scholastik. Zur Analogie von Kunst, Philosophie und Theologie im Mittelalter. Köln, DuMont Buchverlag, 1989
Erwin Panofsky, Zum Problem der Beschreibung und Inhaltsdeutung von Werken der bildenden Kunst (1932). In: Logos XXI, 1932, 103-119 Auch in: Erwin Panofsky, Aufsätze zu Grundfragen der Kunstwissenschaft, hg. von Hariolf Oberer und Egon Verheyen. Berlin, Wissenschaftsverlag Volker Spiess, 1982
Marcel Proust. Correspondance. Text établi, présenté et annoté par Philip Kolb, Tome III, 1902 - 1903. Paris, Librairie Plon, 1976
Romain Rolland, Journal de Vézelay 1938 - 1944. Édition établie, présentée et annotée par Jean Lacoste. Paris, Bartillat, 2012
Romain Rolland, Un beau visage à tous sens, Cahiers Romain Rolland 17. Choix de lettres de Romain Rolland (1886 - 1944. Préface de André Chamson. Texte établi par Marie Romain Rolland. Paris, Éditions Albin Michel, 1967
Meyer Schapiro, Romanische Kunst. Ausgewählte Schriften. Köln, DuMont Buchverlag, 1987
Heinrich und Margarethe Schmidt, Die vergessene Bildersprache christlicher Kunst. München, C.H. Beck'sche Verlagsbuchhandlung, 1984
Kyrilla Spiecker, Kapitelle. Künder des Glaubens. Mit einem kunsthistorischen Beitrag von Karl Kolb. Würzburg, Echter Verlag, 1984
Victor Terret, La sculpture bourguignonne aux XIIième et XIIIième siècles. Ses origines, ses sources d'inspiration. Autun, 1925?
Ingeborg Tetzlaff, Romanische Kapitelle in Frankreich. Köln, DuMont, 1983
François Vogade, Vézelay. Introduction de Louis Hautecœr de l'institut. 1974
Dom Melchior de Vogüé, Dom Jean Neufville, Glossaire des termes techniques (zodiaque). 3e édition, o.J.
Heinrich Wölfflin, Wie man Skulpturen aufnehmen soll? Zeitschrift für Bildende Kunst 50. Jg. (Neue Folge, 26. Jg.), Leipzig: Verlag E.A. Seemann, 1915, S. 237 - 244
Weitere Informationen im Internet:
https://www.medart.pitt.edu/menufrance/Vézelay/capitals/vezcap74.htmlhttps://decoder-eglises-chateaux.fr/viollet-le-duc-sauveur-controverse-monuments-francais/
https://www.swiss-cath.ch/artikel/Vézelay-ein-weltkulturerbe-zu-ehren-der-heiligen-maria-magdalena
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